Großschlachterei in Wietze genehmigt - nun droht ein Stallbaum-Boom in der Südheide

Schlechte Nachrichten für die Gegner des geplanten Geflügelschlachthofes im Landkreis Celle: Das Staatliche Gewerbeaufsichtsamt Lüneburg erteilte am 15. Juli dem emsländischen Futtermittelhersteller und Investor Franz-Josef Rothkötter die Genehmigung für den Bau und den Betrieb eines Mega-Schlachthofes in der Gemeinde Wietze.


Die Zahlen der bald größten Hähnchenschlachterei Europas klingen unfassbar: Genehmigt sind zwei Schlachtlinien mit einer Gesamtkapazität von 2,592 Millionen Hähnchen pro Woche – das sind 432.000 Hähnchen am Tag und 27.000 in der Stunde. Als eine „hochsubventionierte Schlachtstätte für eine unsinnige Überschussproduktion von nicht artgerecht erzeugten Masthühnern“ bezeichnete Eckehard Niemann, BUND-Mitglied und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), den genehmigten Großschlachthof. Was Anwohner, Umweltschützer und Bauern besonders aufbringt: Um den Schlachtbetrieb voll auszulasten, müssten rund 420 neue Hähnchenmastställe in einem Umkreis von rund 100 Kilometern gebaut werden.

Es geht auch artgerecht: Freilauf für "glückliche" Jungmasthühner auf dem Demeter-Bauernhof in Klein Südstedt (Kreis Uelzen)
Es geht auch artgerecht: Freilauf für "glückliche" Jungmasthühner auf dem Demeter-Bauernhof in Klein Südstedt (Kreis Uelzen)

„Das verändert das Bild einer ganzen Region“, glaubt Norbert Juretzko aus Wietze und Sprecher der „Bürgerinitiative für den Erhalt des Aller-Leine-Tals“. „Großschlachthof und Massentierhaltung gefährden die natürliche Umwelt, verschandeln die Landschaft und machen alle Bemühungen für einen sanften Tourismus in der Südheide zunichte!“ Wer wolle denn in einer Gegend Urlaub machen, die von Mastställen überzogen und wo die Luft von Ausdünstungen geschwängert ist? Und in der täglich Hunderte von Lastwagen mit Hähnchen und Fleisch unterwegs sind? Helga Habekost von der BUND Kreisgruppe Celle befürchtet außerdem, dass es durch die Stickstoffeinträge aus der Hähnchenmast zu einer Überdüngung der Landschaft und der Gewässer wie der Aller kommt. „Das widerspricht dem Verschlechterungsgebot der Wasserrahmenrichtlinie und wiegt in diesem Fall noch schwerer, da es sich um ein FFH-Gebiet handelt!“


Dass die Fleischindustrie nun das östliche Niedersachsen ins Visier genommen hat, ist nach Ansicht des BUND-Landwirtschaftsexperten Tilman Uhlenhaut kein Zufall. „Die Agrarindustrie will sich weitere Märkte sichern und scheint dabei besonders auf Hähnchenfleisch zu setzen“, sagt Uhlenhaut. „Das westliche Niedersachsen ist übervoll mit Mastställen, da geht nichts mehr.“ Nun sollen neue und weniger belastete Regionen Niedersachsens für die Massentierhaltung erschlossen werden. Zu den politisch forcierten Projekten zählt dabei auch der Mega-Schlachthof in Wietze, den die schwarzgelbe Landesregierung mit rund 6,5 Millionen Euro subventioniert. „Es ist skandalös, dass hier mit Steuer- und EU-Geldern die Interessen der Agrarindustrie auf Kosten der Bevölkerung, der bäuerlichen Landwirtschaft und der Umwelt bedient werden“, kritisiert Habekost.


BUND-Experte Uhlenhaut bezweifelt, dass Rothkötter genügend Mastbetriebe in der Umgebung von Wietze anwerben kann, um den Schlachthof wirtschaftlich zu betreiben. „Die meisten Landwirte lehnen die agrarindustrielle Produktion ab“, sagt Uhlenhaut und setzt auf den wachsenden Widerstand gegen die Massentierhaltung. „Nicht nur in Wietze – überall dort, wo sich Landwirte Hühner in Massen auf ihren Hof holen wollen und dafür Stallbauten beantragen, entsteht Unruhe in den Dörfern, gründen sich Bürgerinitiativen und bringt sich der BUND ein.“ Der Experte verweist auf das bundesweite Netzwerk „Bauernhöfe statt Agrarfabriken", in dem sich der BUND, die AbL, Tierschutzverbände und mittlerweile 100 Bürgerinitiativen zusammengetan haben, um den Vormarsch der Riesenställe zu stoppen. Rothkötter werde wohl die meisten Masthühner aus dem Emsland herantransportieren oder gleich emsländische Großmäster zu Stallbauten in der Südheide veranlassen müssen, prophezeit Niemann. Dann aber werde der Investor auf einen noch größeren Widerstand in der Region stoßen.


Und auch die Bürgerinitiative Wietze kämpft weiter: „Das Projekt ist noch längst nicht durch“, sagt Juretzko und verweist auf offene Fragen wie die der Wasserversorgung und die Gebietsausweisung. „Notfalls klagen wir gegen den Großschlachthof.“


lit



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