Niedersachsen ist als Flächenstaat und aufgrund seiner Naturraumausstattung ein stark landwirtschaftlich geprägtes Bundesland. In einigen Regionen des Landes haben sich dabei Formen der Intensivtierhaltung etabliert, die teils erhebliche negative Umweltauswirkungen haben und gleichzeitig grundlegende Tierschutzstandards missachten. Zudem hatte die Entkopplung der Tierhaltung von der erforderlichen Futterfläche in der Vergangenheit zur Folge, dass die Futtermittelimporte aus den Ländern des Südens stetig anstiegen.
Zusätzlich hat in den letzten Jahren verstärkter Maisanbau für Biogasanlagen und als Tierfutter zu großflächigen Veränderungen im Landschaftsbild geführt und den Artenrückgang in der Kulturlandschaft weiter verschärft. Es besteht außerdem eine wachsende Konkurrenz um Anbauflächen für die Nahrungsmittelproduktion. Betreiber großer Biogasanlagen können aufgrund der Einspeisevergütung des Erneuerbare-Energien Gesetzes vielfach deutlich höhere Pachtpreise bieten, als herkömmlich wirtschaftende Landwirte.
Die Art und Weise der Nahrungsmittelerzeugung und Landnutzung bewegt die Menschen in Niedersachsen stärker denn je. Diese Diskussion aufzugreifen und in einen breiteren gesellschaftlichen Zusammenhang zu stellen, ist Kernaufgabe der neuen Verbändeplattform „Agrarbündnis Niedersachsen“. Die (Fehl-)Entwicklungen im Agrarland Niedersachsen werden seit Jahren durch unterschiedlichste Akteurinnen und Akteure aus Umwelt-, Agrar-, Eine-Welt- und Tierschutz-Verbänden kritisch begleitet. Die Verbändeplattform „Agrarbündnis Niedersachsen“ offeriert diesen „agrarkritischen“ Menschen eine Netzwerkstruktur, um Synergien zu nutzen und gemeinsam noch effizienter aufzutreten. Das „Agrarbündnis Niedersachsen“ bietet auch den Kreisgruppen und Regionalverbänden des BUND in Niedersachsen und Bremen sowie engagierten Einzelmitgliedern des Verbandes konkrete Mitwirkungsmöglichkeiten an.
In einem ersten Schritt wird ein Forderungspapier zur zukünftigen und nachhaltigen Ausgestaltung der Agrarpolitik in Niedersachsen erarbeiten. Mit Blick auf die Landtagswahl im Januar 2013 wird das Agrarbündnis Niedersachsen mit verschiedenen Veranstaltungen und Aktionsformen Landwirtschafts- und Verbraucherschutzthemen aufgreifen. Die Kandidat/-innen sollen zu den Forderungen der Bündnispartner um Stellungnahme gebeten werden. Ab Sommer 2012 soll eine eigene Website www.agrarbuendnis-niedersachsen.de über Veranstaltungen im Land sowie mittels eines Kandidatencheck zur Landtagswahl informieren.
Uwe Schreiber