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Mikrokosmos am Kronsberg: Herrmannsdorfer Landwerkstätten - Agrarwende konkret

Foto: Die MitarbeiterInnen des BUND-Landesverbandes
Die MitarbeiterInnen des BUND-Landesverbandes bei einer zweistündigen Führung durch die Herrmannsdorfer Landwerkstätten am Kronsberg bei Hannover

Die Maul- und Klauenseuche macht im Ernstfall auch vor einem ökologischen Musterbetrieb nicht halt. Doch zum Glück ist dieser größte anzunehmende Unfall auf dem Hof der Herrmannsdorfer Landwerkstätten bisher nicht eingetreten. Um die MKS-Ubertragungsgefahr durch Besucherinnen und Besucher klein zu halten, markiert rot-weißes Flatterband den Weg, den wir bei der knapp zweistündigen Führung über das Betriebsgelände gehen dürfen.

Die Ställe sind vorsorglich ganz gesperrt. Deshalb müssen wir uns mit einem Einblick in die tiergerechten Ställe mit Auslauf für Kühe, Rinder, Schweine, Ziegen und Hühner aus der Entfernung zufrieden geben. Trotzdem überzeugt das stimmige Gesamtkonzept die MitarbeiterInnen des BUND-Landesverbandes, die die Tagungsmöglichkeiten des angeschlossenen Bildungswerks für eine Fortbildung nutzen.

Die Herrmannsdorfer Landwerkstätten auf dem Kronsberg bei Hannover erscheinen wie ein geschlossener Mikrokosmos. Getreide, Milch, Eier und Fleisch werden auf dem etwa 100 Hektar großen Hof nach Demeter- und Bioland-Grundsätzen erzeugt, ein lebendiges Beispiel für die viel geforderte Agrarwende. Für die Weiterverarbeitung dieser Produkte gilt das Motto des Landwerkstätten-Gründers Karl Ludwig Schweisfurth: "Essen muß schmecken und gesund sein."

Deshalb gibt es in Herrmannsdorf einen Metzger, der das hofeigene Fleisch verarbeitet, ohne Phosphate oder ähnliche Hilfsmittel, die Vollkornbäckerei, die ausschließlich Öko-Getreide verwendet und demnächst eine Rohmilch-Käserei, in der die ganze Palette der Molkerei-Produkten, vom Joghurt bis zum Hartkäse hergestellt wird. Im dorfeigenen Wirtshaus wird Bier aus der Öko-Brauerei ausgeschenkt und der 500 Quadratmeter große Hofladen bietet reichlich Auswahl an ökologischen Köstlichkeiten. Handwerkliche Tradition, modernes Wissen und Technologie vereint unter einem Dach.

Der Eindruck eines weitgehend geschlossenen Kreislaufs wird durch die technischen Einrichtungen abgerundet: Herrmannsdorf produziert einen Großteil seiner Energie selbst durch eine Windkraft- und Biogasanlage und ein eigenes Blockheizkraftwerk. Alle Gebäude wurden baubiologisch optimiert und tragen damit zum Energiesparen bei. Die Abwässer des kleinen Dorfes werden in einer Pflanzenkläranlage gereinigt.

Der BUND sieht hier am Kronsberg viele
seiner Ideen verwirklicht, für die er seit Jahren geworben hat. Deshalb boten die Herrmannsdorfer Landwerkstätten auch den idealen Rahmen für den Vorabend der diesjährigen Jahresvertreterversammlung Anfang Mai. Auf dem auch an die Gründung des niedersächsischen BUND-Vorläufers vor vierzig Jahren erinnert wurde.

Robert Exner

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Quelle: http://archiv.bund-niedersachsen.de/service/bundmagazin/22001/mikrokosmos_am_kronsberg_herrmannsdorfer_landwerkstaetten_agrarwende_konkret/