BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


4. Oktober 1996

BUND zum Erntedankfest - "Globalisierte Landwirtschaft nicht zukunftsfähig"

Von: Robert Exner, BUND-Pressereferent

Hannover, 04. Oktober 1996 - "Die Globalisierung der Landwirtschaft ist kein zukunftsfähiges Modell. Futtermittel- und Rohstofftransporte von Süd nach Nord und subventionierte Agrarexporte aus dem reichen Norden belasten Menschen und Natur weltweit." Das sagte zum bevorstehenden Erntedankfest Tilman Uhlenhaut, Landwirtschaftsexperte des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Niedersachsen. Gerade das Agrarland Niedersachsen müßte einen anderen Weg einschlagen: Hier übersteigt nach Angaben des BUND die Produktion von Eiern, Fleisch, Zucker und anderen Nahrungsmitteln den Verbrauch um bis zu dreihundert Prozent. "Die Überproduktion aus Massentierhaltung und Intensivlandwirtschaft belastet Boden, Wasser und Luft und stellt eine Gefahr für die Gesundheit der Menschen dar", sagte der BUND-Sprecher. "Völlig unsinnig ist es daher, durch Gentechnik und andere vermeintliche Leistungsförderer die Landwirtschaft noch weiter ankurbeln zu wollen."
Deshalb müsse die Nahrungsmittelproduktion dringend dem regionalen Bedarf angepaßt werden: "Lebensmittel aus ökologisch arbeitenden, bäuerlichen Betrieben sind nicht nur gesund, sondern auch ein wichtiger Beitrag, um Arbeitsplätze in der Landwirtschaft zu erhalten," erläuterte Uhlenhaut. Der Arbeitskräfteeinsatz im ökologischen Landbau sei um ein Vielfaches größer als in agrarindustriellen Großbetrieben. "Die Regionalisierung der Landwirtschaft bietet nicht nur für uns Chancen, sondern auch für solche Länder, deren traditionelle Selbstversorgung durch die einseitige Massenproduktion für den Weltmarkt verdrängt wurden", erklärte BUND-Landwirtschaftsexperte Uhlenhaut. Vielerorts könnte dann der Hunger direkt bekämpft werden.
Der BUND unterstützt die `10 An-Gebote zum Erntedank`, die von der Evangelischen und Katholischen Landjugend, der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und dem AgrarBündnis herausgegeben werden. In der Erklärung werden die wesentlichen Voraussetzungen für eine zukunftsfähige, umweltverträgliche und entwicklungspolitisch gerechte Landwirtschaft genannt. Mit den An-Geboten, die sich für das `Bebauen und Bewahren der kostbaren Erde` einsetzen, richten sich die kirchlichen Verbände und agrarpolitischen Zusammenschlüsse besonders an Verbraucherinnen und Verbraucher. Durch ihre Kaufentscheidungen bestimmten sie mit, wie und welche Nahrungsmittel produziert würden.


Quelle: http://archiv.bund-niedersachsen.de/nc/presse/pressemitteilungen/detail/browse/93/artikel/bund-zum-erntedankfest-globalisierte-landwirtschaft-nicht-zukunftsfaehig/