14. Oktober 1996

BUND kritisiert BioRegio-Wettbewerb - "Statt Gentechnik, naturschonende Biotechnologie fördern" Schnecken und Spinnen als Vorbilder

Von: Robert Exner, BUND-Pressereferent

Hannover, 14. Oktober 1996 - Der BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Niedersachsen übte heute Kritik an der überwiegend gentechnischen Ausrichtung des BioRegio-Wettbewerbs. An der Ausschreibung der Bundesregierung beteiligen sich zahlreiche Unternehmen aus Niedersachsen mit dem Projekt BioRegioN: "Der Wettbewerb sollte die vielfältigen Chancen für naturnahe technische Lösungen nutzen, die die Biotechnologie zu bieten hat," sagte Manuel Kiper, Sprecher des BUND-Arbeitskreises Chemie und Gentechnik. Stattdessen würde eine recht einseitige Technologiepolitik zu Gunsten der Gentechnik fortgesetzt. Der BUND befürworte zwar nicht alle biotechnologischen Bereiche, den umweltschondenen Arbeits- und Forschungsgebieten dieser Technologie könne jedoch eine Schlüsselposition bei der Umstellung der Wirtschaft auf eine zukunftsfähige, rohstoffsparende Produktion zukommen.
Als Beispiele für biotechnologische Anwendungen, die auf Naturstoffen basierten, nannte der BUND Klebstoffe, die den Eiweißklebern von Schnecken nachempfunden seien: "Sie kleben besser als synthetische Produkte, haben keine schädlichen Ausdünstungen, lassen sich ohne Rückstände beseitigen und wieder in den Naturkreislauf zurückführen", erläuterte Kiper. Daß die Seidenfäden von Spinnen ein technisch herausragender Werkstoff sind, sei noch nicht lange bekannt: "Diese Kombination von Elastizität, Stabilität und Leichtigkeit ist einmalig", so der BUND-Sprecher. Jetzt würden erstmals kugelsichere Westen aus spinnwebähnlichem Material hergestellt. "In der Natur gibt es noch unzählige Erfindungen, die wir für uns nützen können, ohne sie zu zerstören. Dafür müssen wir nicht gleich mit gentechnischen Mitteln in den Bauplänen von Pflanzen und Tieren herumfuschen", so der BUND-Experte.
In Niedersachsen habe die Biotechnologie schon jetzt wirtschaftlich größere Bedeutung als die Gentechnik: Nach Angaben der Landesregierung, sind bereits 87 Unternehmen biotechnologisch tätig, während es landesweit nur fünf gewerbliche gentechnische Anlagen gibt. "Wir empfehlen der Landesregierung daher dringend, die umweltschonende und naturnahen Tätigkeitsbereiche der Biotechnologie intensiver zu fördern und sich dafür auch in Bonn stark zu machen", sagte der BUND-Sprecher. Dort wählt eine Jury vom 20. bis 22. November aus den 17 angemeldeten Regionen die drei Sieger des bundesweiten BioRegio-Wettbewerbs.




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