13. November 1996

Umwelt-, Verbraucher- und Landwirtschaftsverbände protestieren auf EuroTier '96 gegen Gentech-Soja

Von: Robert Exner, BUND-Pressereferent

Hannover, 13. November 1996 - Auf der EuroTier '96 haben heute zwölf Umwelt-, Verbraucher- und Landwirtschaftsverbände gegen die Verwendung von Gentech-Soja in Lebens- und Futtermitteln protestiert. Die Aktion unter dem Motto `wer nicht kennzeichnet wird gekennzeichnet` richtete sich in erster Linie gegen den Verband Deutscher Ölmühlen e.V. Darin sind unter anderen auch die Betriebe zusammengeschlossen, die das importierte US-Gentech-Soja weiterverarbeiten. Bislang lehnt der Ölmühlenverband eine Trennung von genmanipulierten und herkömmlichen Sojabohnen ab, ebenso wie die Kennzeichnung von Gentech-Soja. "Die Mühlen haben eine Schlüsselfunktion für Soja als Lebens- und Futtermittel", erklärte Tilman Uhlenhaut, Landwirtschaftsexperte des BUND. Von den 3,4 Millionen Tonnen Sojabohnen, die Deutschland jährlich importiert, werden rund 80 Prozent als Eiweiß-Mastfutter in der Landwirtschaft verwendet. Erst durch Soja-Kraftfutter sei die Massentierhaltung möglich geworden.Jetzt drohe für Verbraucherinnen und Verbraucher die "Zwangsernährung" mit risikoreichen Sojaprodukten. Entweder direkt in Lebensmitteln oder durch Milch- und Fleischprodukte über den Umweg von Soja als Tierfutter. Die Weigerung der Ölmühlen zur Kennzeichnung sehen die Umwelt- und Verbraucherverbände als eine Kampfansage an die Konsumenten. Sie haben sich in jüngsten Umfragen zu 94 Prozent für eine umfassende Kennzeichnung genmanipulierter Nahrungsmittel ausgesprochen, 80 Prozent lehnten solche Produkte sogar grundsätzlich ab. "Nahrungsproduzenten und Ölmühlen setzen König-Kunde durch Gen-Food ab", so ein Sprecher der Umwelt- und Verbraucherschutzorganisationen.Aus Sicht der Verbände gefährdet Gentech-Soja den ökologischen Landbau: umweltschonende und artgerecht arbeitende Tierhaltungsbetriebe könnten nicht mehr die Qualität der Futtermittel und die ihrer Produkte gewährleisten, auch wenn sie auf Kraftfutter weitgehend verzichten. Weiterverarbeitete ökologische Agrarprodukte könnte durch gentechnisch veränderte Zutaten belastet werden. Umwelt-, Verbraucher und Landwirtschaftsverbände forderten daher den Verband Deutscher Ölmühlen auf, sich gegen die weitere Einfuhr und Verwendung von Gentech-Soja einzusetzen. Darüberhinaus müßte der Verband gentechnisch manipuliertes Soja aussondern und die Verarbeitungsprodukte kennzeichnen.Aufschrift der Transparente bei der Protestaktion"Wir führen GENTECH-SOJA ein und wollen es nicht kennzeichnen" Verband Deutscher Ölmühlen"Monsanto friß Dein GENTECH-SOJA selber!" bezogen auf Futtermittel"Verbraucher und Bauern fordern GENTECH-freie Lebens- und Futtermittel"


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BUND fordert niedersächsische Bundesratsinitiative zur Kennzeichnung von Gen-Nahrung und Futtermitteln

Von der Niedersächsischen Landesregierung fordert der BUND eine Bundesratsinitiative zur Kennzeichnung gentechnisch veränderter Nahrungs- und Futtermittel. Nordrhein-Westfalen hat für Lebensmittel bereits einen entsprechenden Antrag eingebracht. Hessen startete vor kurzem eine Initiative im Bundesrat, mit der auf EU-Ebene ein gentechnikfreier ökologischer Landbau sichergestellt werden soll. Niedersachsen solle diese Anträge unterstützen.

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Gemeinsame Erklärung zu Gentech-Soja

Wir fordern den Verband Deutscher Ölmühlen e.V. und die Ölmühlen in der Bundesrepublik auf, die Bedenken von über 90 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher gegenüber Lebensmitteln ernst zu nehmen, die mit gentechnischen Verfahren hergestellt werden. Die Ölmühlen haben eine Schlüsselfunktion und müssen sich daher gegen die Verarbeitung gentechnisch veränderter Sojabohnen in der Bundesrepublik einsetzen. Wir erwarten weiter, daß sich die Ölmühlen bei ihren Lieferanten für die strikte Trennung von konventionellen und gentechnisch veränderten Sojabohnen zur Herstellung von Lebens- und Futtermitteln einsetzen und ihre Verarbeitungsprodukte von Gentech-Soja auch ohne gesetzliche Verpflichtung kennzeichnen. Forderungen nach Kennzeichnung erheben inzwischen auch die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Hessen.




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