18. Dezember 1996

BUND zu Meyer-Werft: - "Verwirrspiel soll Versagen der Firmenpolitik vertuschen"

Von: Robert Exner, BUND-Pressereferent

Hannover, 18. Dezember 1996 - "Das derzeitige Verwirrspiel der Meyer-Werft um Riesenschiffe, Emsvertiefung, Stauwehr oder Werftverlagerung dient lediglich dazu, das Versagen der eigenen Firmenpolitik zu vertuschen", diesen Vorwurf erhob heute Carl-Wilhelm Bodenstein-Dresler, Geschäftsführer des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Niedersachsen. Das Unternehmen habe sich mit der Strategie, Ozeanriesen weitab von der Küste zu bauen, in eine Sackgasse gefahren. "Bereits vor drei Jahren haben die Umweltverbände in einem Wirtschaftsgutachten den Trend zu immer größeren Passagierschiffen vorausgesagt", erklärte der BUND-Sprecher. "Wenn Firmenchef Meyer erst jetzt darauf reagiert, ist das mehr als kurzsichtig und gefährdet die Arbeitsplätze auf der Papenburger Werft und in der Region", so Bodenstein-Dresler weiter.
Die jüngst von der Meyer-Werft entfachte Diskussion um ein Emsstauwehr, ist nach Ansicht des BUND eine Scheindebatte, mit der sich das Unternehmen in Sachen Emsvertiefung als geläutert präsentieren will: "Beim Emswehr sind viele finanzielle, technische und terminliche Fragen noch ungeklärt und trotzdem versucht Meyer mit dem Vertragsabschluß für ein Schiff der 100.000-Tonnen-Klasse wie in der Vergangenheit Fakten zu schaffen", so BUND-Sprecher Bodenstein-Dresler. "Wir befürchten, daß mit dem neuen Auftrag Druck für einen weiteren massiven Eingriff in die Ems ausgeübt werden soll." Die Werft benutze die Stauwehridee lediglich, um nicht als Buhmann dazustehen, wenn doch wieder in der Ems gebaggert werden sollte.
Der BUND erinnerte die Landesregierung an ihre schriftliche Vereinbarung zur Ems vom Juli 1994: Damals hatte das Land gegenüber den Umweltverbänden erklärt, daß 7,30 Meter die Maximaltiefe der Ems ist, mit der der Werftstandort Papenburg gesichert werden kann. "Wir fordern die Landesregierung daher auf, keine Bürgschaften für den Bau neuer Meyer-Ozeanriesen zu übernehmen", sagte der BUND-Sprecher. Natur und Umwelt an der Ems dürften nicht noch stärker belastet werden, deshalb käme nur eine Verlagerung der Werft an die Küste in Frage. Das Land dürfe sich nicht an dem von Meyer öffentlich eingestandenen `Vabanquespiel` beteiligen. Der BUND forderte die Werft auf, endlich eindeutige Zahlen über die Schiffsgröße und den Abliefertermin zu nennen. Ohne diese Angaben sei keine seriöse Planung möglich.




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