20. Dezember 1996
BUND kritisiert Stadtrundflüge in der Silvesternacht - Motto der Urlaubsbörse `Boeing statt Böller`?
Von: Robert Exner, BUND-Pressereferent
Hannover, 20. Dezember 1996 - "Wer in kürzester Zeit möglichst viel Energie für einen wahnwitzigen Kurztrip verschleudern und sich einen Ehrenplatz unter den Klimakillern reservieren möchte, hat dazu in der Silvesternacht beste Gelegenheit." Mit diesen Worten kritisierte Sibylle Maurer-Wohlatz, Verkehrsexpertin des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Niedersachsen, das Angebot des Reiseveranstalters "Urlaubsbörse" aus Dresden für nächtliche Rundflüge zur Jahreswende. Von sechs deutschen Flughäfen, darunter auch Hannover, kann man am 31.12. um 23.30 Uhr eine Maschine vom Typ Boeing 737 oder 757 besteigen, um nach einer Stunde wieder im neuen Jahr zu landen. "Der Reiseveranstalter und diejenigen, die den dubiosen Höhenflug bei Sekt und Imbiß mitmachen, mögen sich zwar zum sogenannten Jetset zählen, umweltpolitisch ist dies jedoch ein Blindflug", so die BUND-Sprecherin.
Verantwortlich sei in erster Linie der Veranstalter, der erst mit seinem umweltschädlichen Kurzflugangebot den Wunsch nach einem Silvester unter dem Motto Boeing statt Böller geweckt habe. Aber auch die Flughäfen müßten sich den Vorwurf gefallen lassen, absurde Nonsensflüge genehmigt zu haben. "In Hannover/Langenhagen fordern die Flughafen-Anwohner zudem schon seit Jahren ein Nachtflugverbot", erklärte BUND-Sprecherin Maurer-Wohlatz. In der Silvesternacht sei es zwar ohnehin sehr laut, aber die Bereitschaft der Flughafendirektion und letztendlich des Wirtschaftsministeriums, grünes Licht für diese einstündigen Spritztouren über Hannover zu geben, zeige, daß in Langenhagen wohl nicht nur der unbedingt notwendige Flugverkehr nachts abgewickelt werde.