19. März 1997
Umweltverbände beteiligen sich nicht an Vorbereitung für Emssperrwerk - BUND und NABU: "Kein Feigenblatt für Wahnsinnsplanung"
Von: Robert Exner, BUND-Pressereferent
Hannover, 19. März 1997 - Die niedersächsischen Landesverbände vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und Naturschutzbund Deutschland (NABU) beteiligen sich nicht an der Antragskonferenz zum Emssperrwerk, die am Freitag in Moormerland beginnt. "Wir lehnen es ab, an einem unsinnigen Projekt mitzuarbeiten. Wir sind weder das Feigenblatt für eine Wahnsinnsplanung noch zu 'Kosmetik' bei der absehbaren Naturzerstörung bereit", erklärte BUND-Geschäftsführer Carl-Wilhelm Bodenstein-Dresler. Bereits im Februar hatten die Umweltverbände grundlegende Kritik am Sperrwerksvorhaben bei Gandersum geäußert.
Ihre Einwende sehen die Umweltschützer von höchst offizieller Seite bestätigt: Die Wasser und Schiffahrtsdirektion (WSD) in Aurich hatte bereits 1994 im Planfeststellungsbeschluß für die Emsvertiefung auf 7,30 Meter ein solches Sperrwerk als Alternative zur Ausbaggerung intensiv geprüft und aus ökologischen, finanziellen und zeitlichen Gründen abgelehnt. In dem Beschluß wurde darüber hinaus betont, daß der mehrtägige künstliche Anstau der Ems weit über den Überflutungszeiten bei sogenannten Ketten-Sturmtiden liegen würde. "Die WSD hat also ebenso wie wir Bedenken, was die Standsicherheit der Deiche beim Aufstauen der Ems angeht, wenn sie das sogar mit solchen Sturmfluten vergleicht", so Olaf Tschimpke, Geschäftsführer des NABU. Das Emsstauwehr als Hochwasserschutz gerate dadurch in ein ganz anderes Licht.
Angesichts der zahlreichen Gründe, die auch von Seiten der Fachbehörde gegen das Sperrwerk vorgebracht wurden, lehnen BUND und NABU weitere zeit- und kostenaufwendige Prüfverfahren ab: "Solche Schauveranstaltungen kann man sich sparen", so die Umweltverbände.