9. Januar 1997
Meyer-Werft und Emsvertiefung - BUND fordert parlamentarischen Untersuchungsausschuß
Von: Robert Exner, BUND-Pressereferent
Hannover, 09. Januar 1997 - In einem Schreiben an die Landtagsfraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen hat heute der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Niedersachsen gefordert, einen parlamentarischen Untersuchungsausschuß einzurichten, der sich mit der Meyer-Werft und der Emsvertiefung befaßt. Der BUND äußerte den Verdacht, daß sowohl Werftchef Bernard Meyer als auch der emsländische Oberkreisdirektor Hermann Bröring 1994 im Planfeststellungsverfahren zur Emsvertiefung auf 7,30 Meter unzutreffende Aussagen gemacht haben: "Damals versicherten beide gegenüber der Genehmigungsbehörde, daß 7,30 Meter Emstiefe ausreichten, um die auf der Papenburger Werft gebauten Schiffe überführen zu können," erklärte Carl-Wilhelm Bodenstein-Dresler. Der Geschäftsführer des BUND beruft sich dabei auf das Protokoll des offiziellen Erörterungstermins. Der Werftchef habe den Gegnern der Emsvertiefung sogar das Modell eines geplanten 100.000 Tonnen-Schiffes entgegengehalten, das sich laut Meyer bei einer Emstiefe von 7,30 Meter ohne Probleme zur Nordsee bringen ließe.
Prognosen der Umweltverbände, daß die Kreuzfahrtschiffe zukünftig noch größer würden, hatte Meyer damals grundsätzlich bestritten. "Da fragt man sich doch, ob Werftchef und Oberkreisdirektor 1994 die Planfeststellungsbehörde und das Land Niedersachsen vorsätzlich belogen haben", sagte Bodenstein-Dresler, "denn heute fordert das Unternehmen - wie selbstverständlich - die weitere Vertiefung der Ems auf acht Meter", so der BUND-Sprecher. Das Land habe aber aufgrund der damaligen Zusicherungen von Meyer und Bröring sein Einverständnis zur Vertiefung erklärt und mit den Umweltverbänden eine Vereinbarung geschlossen. Daher müsse sich jetzt schleunigst ein niedersächsischer Untersuchungsausschuß mit diesen offensichtlichen Widersprüchen befassen, noch bevor weiter über ein Emsstauwehr spekuliert werde. "Die neue Vertiefungsforderung auf acht Meter ist an Dreistigkeit kaum noch zu überbieten", so der BUND-Sprecher.