28. Mai 1997

BUND und WWF präsentieren Lösung des Emskonflikts - COMBI 2000 - Zusammenarbeit von Meyer- und Lloyd-Werft

Von: Robert Exner, BUND-Pressereferent

Hannover, 28. Mai 1997 - Eine Werftenzusammenarbeit an der deutschen Nordseeküste als Lösung für den jahrelangen Konflikt an der Ems haben heute der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Niedersachsen und die Umweltstiftung WWF-Deutschland in Hannover vorgeschlagen: "Auch ohne neue Umweltzerstörung durch Emssperrwerk oder weiteren Flußausbau kann die Meyer-Werft Ozeanriesen in Papenburg produzieren, wenn sie bei der Inneneinrichtung mit der Llyod-Werft in Bremerhaven kooperiert", sagte Carl-Wilhelm Bodenstein-Dresler, Geschäftsführer des BUND.
"Zu dieser Zusammenarbeit gehört nur der gute Wille von Firmenchef Meyer", so der BUND-Sprecher weiter. Die Meyer-Werft könnte dann ab sofort Aufträge für Luxusliner bis zu 130.000 Tonnen annehmen. "Vor allem ist mit unserem Konzept der Ems geholfen, denn der Fluß könnte wieder verflachen und sich erholen, da die Schiffe eine geringere Überführungstiefe hätten", erklärte Bodenstein-Dresler. Zusätzlich würden knappe Steuergelder gespart, denn mit dem Vorschlag von BUND und WWF wäre das überflüssige Ems-Sperrwerk ebenfalls vom Tisch.
Erarbeitet hat das 'COMBI 2000'-Konzept Dipl. Ing. Manfred Pohl, Sachverständiger der Verbände für Häfen und Schiffahrt. Es sieht einen zweistufigen Bau großer Kreuzfahrtschiffe vor: "Zunächst werden Stahlbau, Maschinenbau, Anstricharbeiten und Versorgungseinrichtungen in Papenburg erledigt und dann geht das neue Traumschiff auf die Reise nach Bremerhaven. Dort wird es auf der Llyod-Werft durch den Einbau von Fertigkabinen vervollständigt", erläuterte Pohl den möglichen Produktionsablauf. Bis zu 1,5 Meter Tiefgang ließen sich so durch Gewichtsreduzierung sparen: "Genug Spielraum, um die Kreuzfahrt-Riesen durch das Nadelöhr Ems zur Nordsee zu bringen und gleichzeitig die ökologische Situation des Flusses zu verbessern", so Pohl. Die Lloyd-Werft habe auf den nachträglichen Kabineneinbau weltweit das Patent. Im letzten Jahr wurde auf diese Weise das bisher größte in Deutschland gebaute Kreuzfahrtschiff ?Costa Victoria' in Bremerhaven ausgerüstet.
Auch wirtschaftlich könne sich das Konzept der Umweltverbände für den Papenburger Unternehmer durchaus rechnen: "Das größte Plus aus ökonomischer Sicht: Die Meyer-Werft bleibt am Standort Papenburg flexibel für die Weltmarktnachfrage. Durch verkürzte Bauzeiten könnten dort Schiffe sogar in schnellerer Folge gebaut werden", so der Experte von BUND und WWF. Die Kooperation der beiden Werften leiste einen Beitrag zur Sicherung von Arbeitsplätzen an der deutschen Küste: "Unsere Idee dürfte auch für das Land Niedersachsen interessant sein, denn von dort kommen rund zwei Drittel der 430 Lloyd-Werftarbeiter", sagte Pohl.
Die Umweltverbände verwiesen darauf, daß die beiden Werften bereits freundschaftlich zusammenarbeiten würden: Im Dezember letzten Jahres wurde das Meyer-Schiff 'Oriana' auf der Lloyd-Werft gewartet. Nach Ansicht von BUND und WWF ist es daher naheliegend, auch bei Schiffsneubauten zu kooperieren. "Seitens der Lloyd-Geschäftsführung besteht ernsthaftes Interesse an unserem Vorschlag und an einer intensiven Zusammenarbeit", stellte Holger Wesemüller, Leiter des Fachbereiches Meere und Küsten des WWF, fest. Positive Reaktionen habe es auch bei Vorgesprächen der Verbände mit Parteivertretern und Politikern gegeben. "Jetzt liegt es an der Meyer-Werft und an den Bundesländern Bremen und Niedersachsen, ob aus der Werften-Ehe etwas wird", so Wesemüller. "Nachdem wir diese kostengünstige Alternative zur Standortsicherung präsentiert haben, dürfte es der Steuerzahler kaum noch akzeptieren, daß eine solche Lösung an Länderegoismen oder Privatinteressen scheitern sollte und daß an der Ems 500 Millionen Mark oder mehr Steuergelder für ein Meyer-Sperrwerk ausgegeben werden sollen", ist sich der WWF-Sprecher sicher.
"Mit dieser nordwestdeutschen Lösung steht die gesamte Region besser da, als wenn die Meyer-Werft Schritt für Schritt ins Ausland abwandert", so BUND-Geschäftsführer Bodenstein-Dresler. Ökologisch gesehen sei es ebenfalls sinnvoller, eine bestehende, gut ausgerüstete Werft in Bremerhaven zu nutzen, als etwas Neues aus dem Boden zu stampfen. Ein teurer und aus Küstenschutz unnötiger Sperrwerksbau mit fatalen ökologischen Folgen würde überflüssig. Die Ems und das Emsland könnten mit dem Konzept der Verbände wieder zur Ruhe kommen.




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