16. Juli 1997
Natura 2000: BUND fordert sofortige Meldung der FFH-Gebiete nach Brüssel - "Niedersachsen könnte schon jetzt EU-Gelder in Millionenhöhe beantragen"
Von: Robert Exner, BUND-Pressereferent
Hannover, 16. Juli 1997 - Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Niedersachsen begrüßte den gestrigen Kabinettsbeschluß zur sogenannten Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Richtlinie als einen ersten Schritt des Landes zu einem europaweiten Schutzgebietssystem: "Unverständlich ist allerdings, warum Niedersachsen die wertvollen und einzigartigen Naturgebiete nicht schon jetzt über Bonn nach Brüssel meldet. Dafür muß man nicht bis zur Umsetzung der EU-Richtlinie durch die Bundesregierung warten", wundert sich Dr. Marita Wudtke, Naturschutzreferentin des BUND. Niedersachsen könnte aufgrund seines Naturschutzgesetzes diesen Schritt machen und auch schon jetzt EU-Gelder beantragen, so wie der Freistaat Bayern: "Durch ihr Zögern verpaßt die Landesregierung die Gelegenheit, daß die FFH-Richtline endlich als Vorteil und Gütesiegel gesehen wird", so die BUND-Expertin. Landwirte könnten damit EU-Gelder aus LIFE- oder Leader-Programmen für den Vertrags-Naturschutz bekommen.
Aus Sicht des BUND erfaßt der FFH-Kabinettsbeschluß die wirklich schutzwürdigen Gebiete nur unzureichend: "Gerade die Bach- und Flußläufe wie Ems, Aller und Wümme als Lebensadern, die wichtige Naturräume miteinander vernetzen, hätten vollständig aufgenommen werden müssen", fordert Wudtke. Auch ausgedehnte Waldflächen beispielsweise im Solling, Süntel, Leinetal oder Ith fänden sich nicht auf der Liste. Interessant sei dabei, daß diese und andere Flächen, die jetzt fehlen ursprünglich von den Bezirksregierungen benannt worden seien. Hier sei der Abstimmungsprozeß mit Wirtschaft, Landwirtschaft und Forst voll zu Lasten des Naturschutzes gegangen.
Der BUND kündigte an, demnächst selbst noch Gebiete der EU zu melden: "Damit die bestehenden Lücken geschlossen werden und wir wirklich ein Naturschutznetz knüpfen", so die BUND-Sprecherin. "Wenn Ministerpräsident Gerhard Schröder bemüht ist, Niedersachsen zu einem europäischen Musterländle zu machen, sollte er den Naturschutz nicht aus dem Blick verlieren", forderte Wudtke.