1. August 1997
Künstliche Beatmung der Ems gescheitert - BUND fordert Einstellung der Unterhaltungsbaggerungen
Von: Robert Exner, BUND-Pressereferent
Hannover/Bremen, 01. August 1997 - Einen sofortigen Stopp der Unterhaltungsbaggerungen an der Ems hat heute der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Niedersachsen gefordert. "Das ständige Aufwühlen des Wassers und die Trübung verstärkt die Sauerstoffarmut in der Ems. Algen bekommen nicht mehr genug Licht, um Sauerstoff zu produzieren und der letzte Rest wird noch beim Zersetzen der organischen Schwebstoffe im Wasser verbraucht", erklärte heute Beatrice Claus, die als Biologin für den BUND und die Umweltstiftung WWF-Deutschland die niedersächsischen Flußmündungen untersucht.
Gestern hatte das Staatliche Amt für Wasser und Abfall Aurich in der Ems einen Sauerstoffgehalt von nur drei Milligramm pro Liter gemessen, damit droht dem Fluß nach Ansicht des BUND der Kollaps. "Normal sind acht bis zehn Milligramm Sauerstoff pro Liter. Bei drei bis vier Milligramm ist die Überlebensgrenze für Fische erreicht, zum Teil sogar bereits unterschritten", so die BUND-Expertin. Besonders dramatisch sei die Situation auch deshalb, weil die Witterungsbedingungen in diesem naßkalten Sommer bisher eigentlich günstig für die Durchlüftung der Ems gewesen seien: "Nicht auszudenken was passiert, wenn es doch noch richtig warm werden sollte und wenn demnächst der Fluß durch ein Sperrwerk zum Stausee wird. Dann geht der Ems vollends die Luft aus", fürchtet Claus. Damit sich das Ökosystem etwas erholen könne, müßten die Unterhaltungsbaggerungen sofort gestoppt werden. "Wir sehen einen direkten Zusammenhang zwischen der Sauerstoffarmut und den ständigen Eingriffen in die Ems", erklärte die BUND-Sprecherin. "Seit Anfang der 90er Jahre ist das ökologische Problem bekannt, seit der Zeit sind auch ständig die Baggerschiffe auf der Ems unterwegs", so Claus abschließend.