29. August 1997
"Ems wird der 'Mercury' geopfert" - BUND führt Sauerstoffmessungen durch - Werte noch weiter gesunken
Von: Robert Exner, BUND-Pressereferent
Hannover, 29. August 1997 - "Die Ems wird der 'Mercury' geopfert", diesen Vorwurf erhob am Freitag Robert Exner, Sprecher des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Niedersachsen. "Hauptursache für den Atemstillstand der Ems ist das fortwährende Ausbaggern des Flusses, um am Wochenende das Meyer-Schiff zu überführen", so Exner weiter. Emsfischer hätten berichtet, vermehrt tote Aale aus ihren Reusen zu holen. Als Grund dafür nannte der Umweltverband zu niedrige Sauerstoffwerte in der Unterems. Eigene Messungen des BUND hatten am Mittwoch zwischen Papenburg und Leerort an verschiedenen Punkten einen Gehalt von nur noch ein bis zwei Milligramm Sauerstoff pro Liter ergeben. "Im Tidebereich gesunder Gewässer sind im Sommer aber gut sechs Milligramm Sauerstoff pro Liter zu erwarten. Für Fische wird es bereits ab vier Milligramm brenzlig", so der BUND-Sprecher.
Der Umweltverband hatte bereits vor vier Wochen Alarm geschlagen und einen Baggerstopp in der Ems gefordert. Damals hatte das Staatliche Amt für Wasser und Abfall in Aurich noch zwei bis vier Milligramm Sauerstoff in der Ems gemessen, trotz künstlicher Belüftungsversuche. "Durch die starke Hitze der letzten Wochen hat sich der Fluß auf fast 24 Grad aufgeheizt, dabei geht Sauerstoff verloren", erklärte Exner. Gravierender sei aber gewesen, daß trotz dieser Warnsignale unvermindert weiter gebaggert worden wäre. Durch die Wassertrübung beim Baggern bekämen sauerstoffproduzierende Algen nicht mehr genug Licht. Der Abbau organischer Schwebstoffe verbrauche zusätzlich Sauerstoff. Der BUND warf dem Wasser- und Schiffahrtsamt Emden vor, seine dienstlichen Verpflichtungen verletzt zu haben: "Es hat den Anschein, als wenn für den Luxusliner 'Mercury' bewußt der Totalschaden der Ems in Kauf genommen wird", so Exner.