28. Oktober 1997
Leckagen im Atomkraftwerk Krümmel - BUND schlägt Voigts Verharmlungsversuch "es bestehe kein Besorgnispotential" als Unwort des Jahres vor
Von: Robert Exner, BUND-Pressereferent
Hannover, 28. Oktober 1997 - Als Verharmlosungsversuch kritisierte heute der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland BUND in Niedersachsen die Reaktion des Staatssekretärs im Kieler Energieministerium auf die jüngst bekannt gewordenen Leckagen im Atomkraftwerk Krümmel. Wilfried Voigt hatte gestern verlauten lassen, daß trotzt des Dauerlecks im Reaktordruckbehälter für die Bevölkerung "kein Besorgnispotential bestehe". "Angesichts der Leukämiehäufungen in der Elbmarsch und der ständigen Angst der Bewohner, an Blutkrebs zu erkranken, ist diese Äußerung mehr als zynisch", empörte sich Robert Exner, Sprecher des BUND. Der Umweltverband schlägt deshalb dem Frankfurter Sprachwissenschaftler Prof. Horst-Dieter Schlosser, der für die Wahl des <em>Unwortes des Jahres</em> verantwortlich ist, die Formulierung Voigts als Kandidaten für das Jahr 1997 vor.
"Wer so spricht, nimmt die Menschen und ihre Gefühle nicht ernst, sondern versucht, individuelle Ängste in pseudotechnische Meßgrößen zu pressen", so der Vorwurf des BUND-Sprechers. Unter dem Motto alles schon bekannt gewesen, versuchten das Kieler Energieministerium als Aufsichtsbehörde und die AKW-Betreiber jetzt wieder zur Tagesordnung überzugehen. "Aber gerade beim Pannenreaktor Krümmel wäre eigentlich eine offensive Informationspolitik zu erwarten. Statt dessen kommen aus Kiel immer nur Abwiegelungsversuche und Worthülsen, wenn neue Skandale bekannt werden," sagte BUND-Sprecher Exner.