22. Oktober 1997

Emssperrwerk - Umweltverbände geben Stellungnahmen ab

Von: Robert Exner, BUND-Pressereferent

Papenburg/Hannover, 22. Oktober 1997 - Mit Ablauf der Einwendungsfrist zum geplanten Emssperrwerk haben die niedersächsischen Umweltverbände BUND, LBU, NABU und die Umweltstiftung WWF gestern ausführliche schriftlichen Stellungnahmen abgegeben. Darin nennen sie planungs- und naturschutzrechtliche, ökologische, volkswirtschaftliche und technische Einwände, die gegen das Projekt bei Gandersum sprechen. Gleichzeitig betonen die Umweltverbände, daß die Planfeststellungsunterlagen unvollständig und mangelhaft sind. Alternativen zum Sperrwerk sowohl für den Küstenschutz als auch für die Standortsicherung der Meyer-Werft seien nur unzureichend geprüft worden. Auf der Grundlage der vorgelegten Unterlagen kann nach Ansicht der Umweltschützer kein Planfeststellungsbeschluß getroffen werden.
Als Beispiele für ihre inhaltliche Kritik nannten die Verbände:

  • Es fehle die Planrechtfertigung für das Sperrwerk als Küstenschutzmaßnahme: Die gesamte Konstruktion ziele auf ein Stauwehr und nicht vorrangig auf ein Küstenschutzbauwerk. Denn die Tore dichten nicht durch den anströmenden Seegang, sondern durch das - bei einer Sturmflut nicht vorhandene - Emswasser aus dem Oberlauf, also nur bei Schiffsüberführungen.
  • Die Bemessungsgrundlagen seien fehlerhaft, denn es würden nur Einzelsturmfluttiden berücksichtigt, nicht aber die gefürchteten Kettensturmfluten mit mehrere Sturmflutwellen dicht hintereinander.
  • Besonders auffällig sei, daß in den Planfeststellungsunterlagen die Auswirkungen durch das Ablassen des aufgestauten Emswassers gar nicht behandelt würden. Aus ökologischen, aber auch aus betriebs- und sicherheitstechnischen Gründen sehen die Verbände darin ein großes Versäumnis.
  • Weiterhin fehlten Baubeschreibungen für einen geplanten tideunabhängigen Schiffsliegeplatz vor dem Stauwehr und für Buhnen, die im Naturschutzgebiet Petkumer Deichvorland vorgesehen sind. Da auch für diese Maßnahmen negative Auswirkungen für Natur und Umwelt zu befürchten seien, müßten entsprechende Unterlagen nachgereicht werden.
  • Der Umweltverträglichkeitsstudie (UVS) in den Planunterlagen wiesen die Verbände zahlreiche Mängel nach. Sie genüge nicht den gesetzlichen Ansprüchen.

BUND, LBU, NABU und WWF sehen mit der Standortwahl einen Verstoß gegen höchstmögliche Naturschutzkategorien. Die negativen ökologischen Folgen des Sperrwerks wirkten sich auf Gebiete aus, in denen der Naturschutz absoluten Vorrang habe: der Dollart bis Petkum sei Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung (Ramsar-Konvention), FFH-Gebiete und Räume, die durch die EG-Vogelschutzrichtlinie geschützt sind, wären betroffen. Das Naturschutzgebiet Petkumer Deichvorland sei durch die Wasserwelle nach dem Öffnen der Schleusentore gefährdet.
Die Besonderheiten der Vegetation und der Vogelwelt im Emsvorland und die Auswirkungen durch den Bau und Betrieb des Sperrwerks würden unterschätzt oder seien nicht richtig erfaßt worden. Beispielsweise sei das Nendorper Vorland für die Nonnengans ein Gebiet mit internationaler Bedeutung. Über vier Prozent des gesamten Weltbestandes dieser seltenen und gefährdeten Vogelart wurden hier im letzten Winter gezählt.
Fragen zur Versalzung, zum Sauerstoffmangel zur erhöhten Verschlickung beim Aufstau der Ems werden nach Ansicht der Verbände nur unzureichend beantwortet. Auch aus Naturschutzsicht sei der Bau eines Sperrwerkes als Küstenschutzmaßnahme die schlechteste Lösung, so das Resümee der Umweltverbände.

-----------

BUND
 Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Niedersachsen e.V.
LBU
 Landesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz, Niedersachsen e.V.
NABU
 Naturschutzbund Deutschland, Landesverband Niedersachsen
WWF
 Umweltstiftung WWF Deutschland




  • Direkt zur Online-Spende, Foto: eyewire / fotolia.com
  • Direkt zum Online-Antrag, Foto: eyewire / fotolia.com

Ihre Spende hilft.

Suche