24. November 1997

BUND präsentiert kundenfreundliches Bahnkonzept für Nordwest-Niedersachsen

Von: Robert Exner, BUND-Pressereferent

Oldenburg, 24. November 1997 - Ein kundenfreundliches Bahnkonzept für Nordwest-Niedersachsen stellte heute der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Oldenburg vor. Wichtige Ziele in der Urlaubsregion sollen dadurch schneller und bequemer von Bremen und Hannover zu erreichen sein. Möglich würde dies durch Züge, die sich in selbstfahrende Einheiten mit unterschiedlichen Zielorten aufteilen lassen. Norddeich, Wilhelmshaven, Nordenham und Cuxhaven könnten auf diese Weise im Ein- bis Zwei-Stundentakt von den Großstädten aus angefahren werden. Auch in der entgegengesetzten Richtung werde die Bahn mit dem BUND-Konzept flexibler: "Bahnreisende brauchen nicht mehr umzusteigen, zusätzlicher Rangieraufwand entfällt und die Züge können häufiger als bisher fahren", faßt Norbert Reichl, Sprecher des BUND-Arbeitskreises Verkehr, die Vorteile zusammen. Auch auf anderen Strecken Niedersachsens könnten diese Zugtypen die Attraktivität der Bahn erhöhen. In Dänemark und Schweden, wo aufteilbare Flügelzüge bereits fahren, hätten sich die Fahrgastzahlen auf einigen Strecken in drei Jahren mehr als verdreifacht. "So ließe sich auch bei uns die unbedingt notwendige Verkehrswende einleiten und dem aktuellen Trend, die Bahnverbindungen in der Fläche auszudünnen, wirksam entgegensteuern", sagte der BUND-Experte. So drohe Ostfriesland im nächsten Jahr eine Verschlechterung der Bahnanbindung, da die Bahn-AG den InterRegio-Fernverkehr durch teurere IC-Verbindungen mit weniger Haltepunkten ersetzen wolle. Das BUND-Flügelzugkonzept ist mehr als reine Zukunftsmusik. Die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG), die seit der Bahnreform für die Planung des Nahverkehrs auf der Schiene im Land zuständig ist, habe die Vorschläge bereits aufgegriffen und einige Strecken für den Flügelzug-Einsatz vorgesehen. "Für die LNVG steht die Möglichkeit einer rationelleren Betriebsführung durch den Flügelzug im Vordergrund", erläuterte BUND-Sprecher Reichl. Zu den Kosten des Flügelzug-Einsatzes äußerte sich Tilman Bieber vom Planungsbüro Komplan, das die Studie im Auftrag des BUND erarbeitet hat. Rund 190 Millionen Mark seien für die 29 Flexliner-Zugeinheiten notwendig, von denen das Konzept ausgeht. Dem Land stehen im nächsten Jahr etwa 915 Millionen Mark Bundesmittel für solche Ausgaben zur Verfügung: "Da die Züge günstiger zu betreiben sind als die heutigen, würden trotz der Investitionen zusätzliche Mittel für Angebotsausweitungen zur Verfügung stehen", erläuterte Bieber. Als Betreiber kämen sowohl die Deutsche Bahn AG als auch andere Unternehmen in Frage, sie müßten die Züge vom Land mieten. Der Zeitpunkt für eine Umstellung auf die neuen Zugtypen sei günstig: "Zum 1. Januar nächsten Jahres laufen in Niedersachsen und Bremen die Verträge mit der Bahn-AG aus und der Bahnbetrieb im Nahverkehrsbereich wird neu organisiert", so Bieber.


---------------------

Bahn-Verbesserungen im Landkreis Friesland notwendig

Beispielhaft für andere Urlaubsregionen hat der BUND das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln im Landkreis Friesland untersuchen lassen. In der Studie wird deutlich, daß nur durch bessere Bahn- und Busverbindungen die Autoflut in den Küstenorten eingedämmt werden kann. "Das BUND-Flügelzug-Konzept stellt in dieser Hinsicht einen wichtigen Schritt dar", erläuterte Harald Geißler vom Planungsbüro BTE. Die Frieslandstudie habe ergeben, daß lange Fahrtzeiten, häufiges Umsteigen, unattraktive Bahnhöfe und schlechte Fortbewegungsmöglichkeiten am Urlaubsort ausschlaggebend dafür sind, daß rund 95 Prozent der Gäste mit dem Auto nach Friesland reisen.
In der Region werde zur Zeit noch kein akuter Handlungsbedarf gesehen. Die BUND-Studie macht jedoch deutlich, daß die Urlaubsorte ein Eigeninteresse an einer umweltfreundlichen Verkehrsregelung haben müßten: "Die Qualitäts-Ansprüche der Urlauber und ihr Bedürfnis nach Ruhe steigen, der Wettbewerb der Urlaubsregionen nimmt zu", erläuterte Geißler. Es gäbe also genügend Einwände dagegen, sich zurückzulehnen, auch wenn die touristische Entwicklung zufriedenstellend verlaufe.
Schon jetzt verzichteten etwa fünf Prozent der Gäste im Urlaub auf das eigene Auto und wünschten sich attraktive öffentliche Nahverkehrsmittel. "Zudem vergessen die Planer meist, daß rund ein Viertel aller Haushalte gar kein Auto besitzt", so Reichl. "Aber auch Menschen ohne eigenen PKW wollen in den Urlaub fahren und im Alltag mobil sein. Deshalb wäre der Flexliner-Einsatz ein freundlicher Zug der Bahn", BUND-Sprecher Reichl.

-------------------------

Hinweis

Komplan: Arbeitsgemeinschaft kommunale Planung, Bochum BTE: Tourismusmanagement und Regionalentwicklung, Hannover




  • Direkt zur Online-Spende, Foto: eyewire / fotolia.com
  • Direkt zum Online-Antrag, Foto: eyewire / fotolia.com

Ihre Spende hilft.

Suche