26. Oktober 1997

BUND & Jugendumweltnetzwerk: - "Ems - Wo Steuermittel baden gehen" Geldschein-Schiffchen-Aktion auf der Ems

Von: Robert Exner, BUND-Pressereferent

Papenburg/Hannover, 26. Oktober 1997 - Mit einer Papierschiffchen-Flotte aus gefalteten Geldscheinen protestierten am Wochenende der niedersächsische Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und das Jugendumweltnetzwerk dagegen, daß die Steuerzahler seit Jahren für die Emsvertiefung zur Kasse gebeten werden. Politik und Wirtschaft arbeiteten dabei nach Ansicht der Umweltschützer Hand in Hand. Das machten sie auf ihren selbstentworfenen "Tausend Steuer-Mark"-Scheinen, die zu Wasser gelassenen wurden, deutlich: Ministerpräsident Gerhard Schröder und der Papenburger Werftchef Bernard Meyer sind darauf abgebildet.
"Über hundert Millionen Mark an Steuergeldern sind durch die Vertiefungen der Ems schon baden gegangen", erklärte die Vorsitzende des BUND Renate Backhaus bei der Aktion an der Papenburger Seeschleuse. Durch die ständige Baggerei sei der Fluß ruiniert worden. Aber trotz des Millionen-Aufwandes und der Opfer, die der Natur abverlangt worden seien, sei Papenburg als Werftstandort nicht langfristig gesichert. "Das schafft man auch nicht mit den über 500 Millionen Mark Küstenschutzmittel, die für das Meyer-Stauwehr zweckentfremdet werden sollen", sagte Backhaus. So viel Geld werde das Projekt an der Emsmündung nach BUND-Berechnungen mindestens verschlingen: "Da das Stauwehr nur unzureichend vor Hochwasser schützt, müssen auf die reinen Baukosten die Gelder für die Ems-Deicherhöhung aufgeschlagen werden." Außerdem, so rechnete die BUND-Vorsitzende vor, vielen auch mit dem Stauwehr die Kosten für die Unterhaltungsbaggerungen in der Ems von jährlich mindestens 10 Millionen Mark an, um die Meyer-Schiffe überführen zu können.
Die Standortprobleme der Papenburger Meyer-Werft seien mit dem Emssperrwerk nicht zu lösen, so die Umweltschützer. Der Weltmarkt verlange immer größere Kreuzfahrtschiffe: "Neben den Tiefgangsproblemen kommen nunmehr auch Breitenprobleme an der Ems hinzu", erläuterte Manfred Pohl, Schiffahrtsexperte des BUND. "Heißt Zukunftssicherung, demnächst 41 Meter breite Kreuzfahrtschiffe in dem 39 Meter breiten Meyer-Dock bauen zu wollen und sie dann durch die 40 Meter breite Jann-Berghaus-Brücke bei Leer zu pressen?" fragte sich der BUND-Experte. "Schon jetzt werden auf anderen Werften Schiffe mit 38,60 Metern Breite gebaut. Der Trend zu noch größeren Kreuzfahrtschiffen ist ungebrochen", so Pohl. Das Sperrwerk diene nur als Ablenkungsmanöver, um darüber hinwegzutäuschen, daß die drängende Frage der Werftzukunft weder vom Unternehmen selbst noch von der Politik beantwortet sei.

Die Rückendeckung des Unternehmens durch die Politik bezeichneten die Umweltverbände als skandalös: "Steuergelder sind inzwischen fast so knapp wie wertvolle Naturgüter", so Ralph Schumann vom Jugendumweltnetzwerk. Scheinbar traue sich niemand, der Öffentlichkeit und den Arbeitnehmern reinen Wein einzuschenken und zuzugeben, daß mit Millionenaufwand eine Unternehmenspolitik gestützt wurde, die in die Sackgasse geraten ist. "Und aus Feigheit vor dem Freund soll jetzt wieder eine halbe Milliarde Mark in der Ems für ein Stauwehr verbuddelt werden", meint der Jugendvertreter.




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