BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


18. Oktober 1997

BUND befürchtet: - Der Nationalpark Elbtalaue: ein Etikettenschwindel?

Von: Robert Exner, BUND-Pressereferent

Hannover, 18. Oktober 1997 - Kritisch äußerte sich der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Niedersachsen in seiner gestern abgegebenen Stellungnahme zum Verordnungsentwurf für den geplanten Nationalpark Elbtalaue. "Seit Jahren plant die Landesregierung, die niedersächsischen Elbtalauen großflächig unter Schutz zu stellen. Doch der vorgelegte Plan läßt befürchten, daß das Großschutzgebiet mit einem integrierten Nationalpark eine Mogelpackung wird, wenn die Naturschutzstandards nicht erhöht werden", sagte BUND-Naturschutzexpertin Dr. Marita Wudtke. "Bedauerlicherweise ist diese Verordnung auf einem sehr niedrigen Schutzniveau erstellt und läßt uns zweifeln, ob der Nationalpark seinen Namen überhaupt noch verdient", erklärte Wudtke.
Richtig sei zwar, daß ein Nationalpark auch dem Tourismus diene, aber nicht überwiegend. Gewisse Nutzungen müßten daher eingeschränkt werden, gerade auch in der Land- und Forstwirtschaft. "Alles andere ist Etikettenschwindel", sagte Wudtke. So dürfe es in einem Nationalpark nicht wie bei Darchau geplant eine Brücke über die Elbe geben, die lediglich mit "öffentlichem Interesse" begründet wird und nicht durch nachgewiesenen Bedarf. Zumal die dafür vorgesehenen Bauflächen nach europäischer Vogelschutzrichtlinie streng geschützt seien. Als weiteres Beispiel nannte der BUND die landeseigenen Flächen, die aus der Nutzung genommen werden müßten. "Wo sonst, wenn nicht einmal hier, soll sich die Vegetation ungestört natürlich entwickeln?", fragte die BUND-Expertin. "Das Land muß mit seinen Flächen vorbildhaft sein", forderte Wudtke.
Daß der Nationalpark nicht um jeden Preis durchgebracht werden dürfe, begründete Wudtke damit, daß es nicht nur etwas zu gewinnen, sondern auch zu verlieren gebe: ein Netz bereits bestehender Naturschutzgebiete in den Elbtalauen, die mit der Errichtung des Nationalparks aufgegeben würden. "Es ist zu befürchten, daß die hohen Standards, die heute für diese wertvollen Naturschutzgebiete gelten, durch eine allzu lasche Nationalparkverordnung aufgeweicht werden", kritisierte Wudtke den Entwurf der Landesregierung. Für einen effektiven Schutz müsse ebenfalls sichergestellt werden, daß die Nationalparkverwaltung für alle Natur- und Landschaftsschutzgebiet zuständig ist. Nur so ließen sich Kompetenzrangeleien verschiedener Behörden auf Kosten der Natur vermeiden. "Wir fordern daher eine deutliche Nachbesserung des jetzigen Vertragsentwurfs." Eine "Mogelpackung Nationalpark" werde nicht die Zustimmung des BUND finden.


Quelle: http://archiv.bund-niedersachsen.de/nc/presse/pressemitteilungen/detail/browse/88/artikel/bund-befuerchtet-der-nationalpark-elbtalaue-ein-etikettenschwindel/