BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


12. Dezember 1997

Erörterungstermin Emssperrwerk - Umweltverbände: - Bezirksregierung darf Sperrwerk nicht genehmigen

Von: Robert Exner, BUND-Pressereferent

Emden/Gandersum, 12. Dezember 1997 - Ginge es nach Neptun, den Nixen und anderen Ems-Lebewesen, würde das geplante Sperrwerk bei Gandersum nicht gebaut. "Den Politikern und Wirtschaftsbossen rate ich: Achtet die Natur, das Leben, die Flüsse und das Meer. Mäßigt Euren Drang, die Schöpfung nach Eurem Willen zu gestalten", mahnte heute der Meeresgott. Er begleitete deutsche und niederländische Umweltschützer bei einer Kutterfahrt auf der Ems, bei der sie Pressevertretern ihre ökologischen, planungsrechtlichen und technischen Einwände gegen das Sperrwerk erläuterten.
Auf dem Deich bei Gandersum protestierten Umweltverbände und Emslebewesen mit Transparenten gegen das Riesenbauwerk. "Durch das ständige Baggern ist unsere Ems so trübe geworden, daß wir nicht mehr die Flosse vor Augen sehen können", beklagten die Emsbewohner. "Das Sperrwerk würde unsere Wohn- und Kinderstuben vollends ruinieren. Aber da wir nicht flüchten können, setzen wir uns gegen das Bauwerk zur Wehr", beschlossen die Fabelwesen.
Die niederländischen und deutschen Umweltverbände erklärten, daß die negativen ökologischen Auswirkungen des Sperrwerks, insbesondere wenn das Wasser für Schiffsüberführungen gestaut wird, nicht zu verantworten seien. Die Ems sei durch die Ausbaggerungen der letzten 13 Jahre so stark vorbelastet, daß das Sperrwerk zum Totalschaden führen wird, fürchten die Umweltverbände. Die Natur könne sich von einer Schiffsüberführung bis zur nächsten nicht wieder erholen, zumal in der Ems auch mit dem Sperrwerk ständig weiter gebaggert werden müsse. Jede Schiffsüberführung, bei der der Wasserstand auf 8,50 Meter angestaut werden soll, bedeute eine ökologische Katastrophe für die Emslebewesen. Die Wasserstands- und Strömungsveränderungen zerstören die Eier und bedrohten die Jungen seltener Küstenvögel und ökologisch wertvolle Uferlebensräume.

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Erörterungstermin mit Spannung erwartet

Dem am kommenden Montag in Emden beginnenden Erörterungstermin zum Emssperrwerk sehen die Verbände mit Spannung entgegen. Sie hatten zahlreiche Ungereimtheiten und Widersprüche in den Planfeststellungsunterlagen ausgemacht. Beispielsweise seien Alternativen zum Sperrwerk sowohl für den Küstenschutz als auch für die Standortsicherung der Meyer-Werft nur äußerst unzureichend geprüft worden. Auf der Grundlage der vorgelegten Unterlagen kann nach Ansicht der Umweltschützer kein Planfeststellungsbeschluß getroffen werden.

Weiterhin kritisierten die Verbände:

 

 

Die Umweltverbände sehen in der Standortwahl des Sperrwerkes einen Verstoß gegen strengste Naturschutzkategorien und internationale Vereinbarungen. Die negativen ökologischen Folgen des Sperrwerks wirkten sich auf Gebiete aus, in denen der Naturschutz absoluten Vorrang habe: Der Dollart bis Petkum sei Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung (Ramsar-Konvention). Flora-Fauna-Habitat-Gebiete und Räume, die durch die EU-Vogelschutzrichtlinie geschützt sind, wären betroffen. Das Naturschutzgebiet Petkumer Deichvorland sei durch die Wasserwelle nach dem Öffnen der Schleusentore gefährdet.
Die Besonderheiten der Vegetation und der Vogelwelt im Emsvorland und die Auswirkungen durch den Bau und Betrieb des Sperrwerks würden unterschätzt oder seien nicht richtig erfaßt worden. Beispielsweise sei das Nendorper Vorland für die Nonnengans ein Gebiet mit internationaler Bedeutung. Über vier Prozent des gesamten Weltbestandes dieser seltenen und gefährdeten Vogelart wurden hier im letzten Winter gezählt.


Quelle: http://archiv.bund-niedersachsen.de/nc/presse/pressemitteilungen/detail/browse/87/artikel/eroerterungstermin-emssperrwerk-umweltverbaende-bezirksregierung-darf-sperrwerk-nicht-genehmige/