21. Januar 1998
Nationalpark Elbtalaue - BUND sieht neuen Nationalpark mit einem lachenden und einem weinenden Auge
Von: Robert Exner, BUND-Pressereferent
Hannover, 21. Januar 1998 - Die Verordnung zum neuen Nationalpark Elbtalaue beurteilte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Niedersachsen heute zwiespältig: "Wir freuen uns, daß jetzt die Natur in dieser einzigartigen Landschaft an der Elbe besser geschützt wird und den Menschen weiterhin der Naturgenuß bleibt, wie beim Eislaufen auf den zugefrorenen Flüssen", sagte Dr. Marita Wudtke, Naturschutzreferentin des BUND. Der Umweltverband begrüßte auch, daß der Carrenziener Forst mit seinen Binnendünen und anderen ökologisch wertvollen Bereichen zum knapp 11.000 Hektar großen Nationalpark gehöre.
Unzufrieden ist der BUND darüber, daß positive Vorschläge der Umweltverbände zum Nationalpark nicht berücksichtigt wurden. Die eigentlichen Schutzziele und die Wege, wie sie erreicht werden sollen, seien zu ungenau formuliert. Nachwievor werde den reinen Naturnutzern erhebliche Zugeständnisse gemacht: "Leider wurden die Möglichkeiten für Sportangler und Jäger im Nationalpark ausgeweitet", so Wudtke. Die beschlossene Jagdregelung in der Elbtalaue lehnt der Umweltverband ab: Die jetzt erlaubte Rotation, bei der abwechselnd auf verschiedenen Flächen gejagt werden darf, beunruhige die riesigen Rastvögelschwärme auf weiter Flur. Außerdem sei es mehr als fraglich, ob immer so selektiv gejagt werde, wie es die Regelung vorsieht.
In der Verordnung fehlten auch konkrete Vorschläge für eine naturnahe Regionalentwicklung. "Hier ist alles möglich und nicht sichergestellt, daß sich die Entwicklung dem Nationalpark anpaßt, so Wudtke". Beispielsweise ermögliche die Verordnung den bedarfsweisen Bau neuer Bundesfernstraßen durch den Nationalpark und eine Elbquerung. "Dies lehnen wir grundsätzlich ab", erklärte die BUND-Expertin.
Der BUND hätte sich mit dem Nationalpark noch entschiedenere Aussagen der Landesregierung für den Naturschutz gewünscht: "Das Gebiet ist aber als sogenannter Entwicklungsnationalpark geplant. Wir sind optimistisch, in Zukunft noch mehr für die Natur zu erreichen. Und die Menschen erkennen daß der Nationalpark eine Auszeichnung für die gesamte Region ist", so Wudtke.