22. Januar 1998
BVG-Urteil zur A 20 auf A 26 übertragbar - BUND: "Wissmann gibt Startschuß für Bauruine im Moor"
Von: Robert Exner, BUND-Pressereferent
Hannover/Stade, 22. Januar 1998 - "Das gestrige Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zum Baustop für die Ostseeautobahn A 20 ist auf die A 26 übertragbar. Auch hier werden europäische Naturschutzrichtlinien mißachtet." Dies erklärte heute Heiner Baumgarten, Vorstandsmitglied vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Niedersachsen, anläßlich des ersten Rammschlags für ein Teilstück der Autobahn zwischen Hamburg und Stade. "Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann gibt heute rechtswidrig den Startschuß für eine Bauruine im Moor", so Baumgarten. Die Fortführung der Autobahn in Richtung Hamburg verstoße gegen EU-Recht. Damit sei auch der Planfeststellungsbeschluß für den Autobahntorso zwischen Horneburg und Stade hinfällig. Die geplante A 26 würde in der Verlängerung nach Hamburg zwischen Neugraben und Finkenwerde ein wertvolles Naturgebiet zerschneiden, in dem auch der vom Aussterben bedrohte Wachtelkönig (ornithologisch Crex Crex s. Stichwort) brütet. Dieses Gebiet ist laut EU-Vogelschutzrichtlinie unmittelbar zu schützen. Das Gebiet fällt damit gleichzeitig unter den Schutz der EU-Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH). Das Bundesverwaltungsgericht in Berlin stellte gestern klar, daß Richtlinien der Europäischen Gemeinschaft auch ohne Umsetzung in nationales Recht bei Planungen in Deutschland beachtet werden müßten. "Wir sind daher sehr optimistisch, daß die Klagen, die gegen den Planfeststellungsbeschluß zur A 26 beim Oberverwaltungsgericht Lüneburg vorliegen, zu unseren Gunsten ausfallen", erklärte der BUND-Sprecher.

Stichwort Wachtelkönig
Crex Crex, wie der Wachtelkönig wissenschaftlich heißt, ist ein etwa rebhungroßer, scheuer Vogel mit bräunlichem Kleid. Da das seltene Tier, das fast im gesamten Bundesgebiet vom Aussterben bedroht ist, Planern immer wieder Schwierigkeiten bereitet, wird es in Hamburg bereits Crux crux genannt. Der Vogel, der im Sommer in Mittel- und im südlichen Nordeuropa brütet, bevorzugt üppige und feuchte Krautflächen in den Ebenen wie hochwüchsige Feuchtwiesen oder Sümpfe.