7. Mai 1998

Volksbegehren "Gentechnikfrei aus Niedersachsen" - Schon über 28.000 Unterschriften - Volksbegehren "Gentechnikfrei aus Niedersachsen" nimmt erste Hürde

Von: Robert Exner, BUND-Pressereferent

Hannover, 07. Mai 1998 - Mehr als 28.434 Menschen haben sich in den letzten fünf Monaten für das Volksbegehren "Gentechnikfrei aus Niedersachsen" ausgesprochen. Mit einer Unterschriften-Zähltafel dokumentierten heute die Initiatoren des Volksbegehrens in der Karmarschstraße im Zentrum Hannovers die anhaltende Unterstützung für eine Kennzeichnung gentechnikfreier Produkte. Befürworterinnen und Befürworter erhielten hier die Möglichkeit, ihre Stimme für das Volksbegehren abzugeben, die vor aller Augen gezählt wurde. Die Initiatoren verfolgen das Ziel, gentechnikfreie Lebensmittel, Saatgut und Futtermittel aus Niedersachsen mit einem Gütesiegel zu versehen.
"Wir untersützen dieses Volksbegehren mit dem Ziel, daß die Verbraucher Sicherheit gewinnen und Produkte ohne Anwendung von Gentechnik kaufen können," erklärt Ulrich Thiemann, Sprecher der Landesfachgemeinschaft Reformhäuser und einer der Initiatoren des Volksbegehrens in Niedersachsen.
"Jede Stimme bringt uns unserem Ziel näher, ein verbindliches und strenges Gütezeichen. Die Verbraucher können nicht darauf warten, bis endlich auf Bundes- oder europäischer Ebene etwas für ihre Sicherheit getan wird und eine Kennzeichnung 'ohne Gentechnik' kommt," so Tilman Uhlenhaut vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Die mehr als 28.000 Unterschriften ermöglichen inzwischen den Antrag auf Zulassung des Volksbegehrens. Die Initiatoren wollen aber noch warten: "Je mehr Unterschriften zusammen kommen, desto mehr wird unserem Anliegen Nachdruck verliehen!" erklärt Olaf Tschimpke vom Naturschutzbund Deutschland (NABU). "Die Volksbegehren in Niedersachsen und Bayern haben in die parlamentarische Debatte Bewegung gebracht, wie man an den Bundesratsinitiativen aus Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Hessen sowie der Initiative von Bundesgesundheitsminister Seehofer zur Kennzeichnungsproblematik sehen kann."
Die Sechsmonatsfrist für die Unterschriftensammlung bis zum Antrag für ein Volksbegehren läuft Ende Juli aus. "Die Unterstützung in der Bevölkerung ist groß und dem Volksbegehren steht nichts im Weg", erklärt Gisela Wicke als Sprecherin der Koordinationsstelle und Vertreterin des Volksbegehrens zuversichtlich. " Wenn auf den 45 000 Listen, die noch im Umlauf, nur fünf Menschen unterschreiben, läßt sich das Ergebnis leicht hochrechnen." Das Ziel, Lebensmittelherstellern die Möglichkeit zu geben, ihre Produkte mit einem Gütesiegel als "gentechnikfrei" zu deklarieren steht ganz im Gegensatz zu der von der EU im letzten Jahr verabschiedeten Novel Food-Verordnung. Sie schreibt eine Kennzeichnung der gentechnisch veränderten Lebensmittel vor. Aber: 80 Prozent der Lebensmittel, die u. a. gentechnisch veränderte Zusatzstoffe, Aromen oder Lösungsmittel beinhalten, fallen nicht unter diese Kennzeichnungspflicht. "Ein unhaltbarer Zustand. Schließlich will jeder Mensch wissen, was er ißt", so Wicke.




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