6. Mai 1998
Verpackungsverordnung im Bundesrat: Niedersachsen soll für mehr Mehrweg stimmen - Setzt sich Jüttner gegen Braunschweiger Brauerei Bruderschaft durch?
Von: Robert Exner, BUND-Pressereferent
Hannover, 06. Mai 1998 - Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Niedersachsen fordert die Landesregierung auf, am kommenden Freitag (8.5.) im Bundesrat für eine Verbesserung der Mehrwegquote für Bierverpackungen zu stimmen. "Umweltminister Wolfgang Jüttner muß sich gegen die Braunschweiger Brauerei Bruderschaft durchsetzen, damit Niedersachsen einer Anhebung der Mehrwegquote von 72 auf 78 Prozent zustimmt", forderte Sören Janssen, vom BUND-Arbeitskreis Abfall. Bislang hatte Innenminister Gerhard Glogowski die Zustimmung des Landes zur Erhöhung der Mehrwegquote bei Bierverpackungen verhindert, weil er dadurch die Interessen der Brauereien und Verpackungsindustrie in seiner Heimatstadt Braunschweig gefährdet sieht. Von anderen SPD regierten Bundesländern hingegen wird der Antrag Baden-Württembergs, der vor allem kleinen Brauereien helfen soll, unterstützt.
Glogowskis Blockadepolitik schade der Umwelt und gefährde Arbeitsplätze, so der BUND: Eine Dose verursacht nach Angaben des Umweltverbandes viermal mehr Treibhausgase als eine Mehrweg-Verpackung, elf mal mehr Abfälle und 20 bis 30 mal mehr Luftverunreinigungen durch giftige Schwermetalle. "Für die Abfüllung einer halben Millionen Dosen wird pro Schicht nur ein Arbeiter benötigt. Füllt man dagegen diese Getränkemenge in Mehrweg-Flaschen, schafft das für neun Leute Arbeit", erläuterte Janssen eine Berechnung des BUND.
Auf Kritik des Umweltverbandes stößt die Absicht, mit der Novellierung der Verpackungsverordnung eine sogenannte thermische Verwertung von Verpackungen zuzulassen. "Von Verwertung kann bei der Verbrennung des Mülls in Zementfabriken, Kraftwerken oder Müllverbrennungsanlagen wirklich keine Rede sein", empört sich Janssen. "Hier werden die Verbraucherinnen und Verbraucher getäuscht, die glauben, durch sorgfältiges Müllsortieren einen Beitrag zum Schutz der Umwelt zu leisten", so der BUND-Sprecher weiter. Sollte die Verbrennung der Verpackungen im Bundesrat durchkommen, sei das ein Schritt gegen die Abfallvermeidung: "Niedersachsen muß sich am Freitag für die Beibehaltung der stofflichen Verwertung einsetzen und dafür, daß die Quoten eines ökologisch hochwertigen Recyclings nicht gesenkt werden", erwartet der BUND von der Landesregierung.