26. April 1998

Torfabbau im Naturschutzgebiet "Ewiges Meer" - BUND legt gesetzliche Verstöße und Ungereimtheiten offen

Von: Robert Exner, BUND-Pressereferent

Hannover, 26. April 1998 - Beim Torfabbau im Naturschutzgebiet "Ewiges Meer" im Landkreis Aurich werde gegen das niedersächsische Naturschutzgesetz und gegen Genehmigungsauflagen verstoßen. Diesen Vorwurf erhob am Wochenende der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND): Durch unsachgemäße Entwässerung sei nicht nur das genehmigte Abbaugebiet, sondern auch angrenzende Naturschutzflächen trockengelegt worden. "Stellenweise drangen die Bagger sogar bis in das gesetzlich geschützte Gebiet ein", berichtete Rolf Runge, vom BUND-Aurich. Die genehmigte Abbaufläche von 130 Hektar muß nach der Torfentnahme wieder renaturiert werden, dazu ist die Abbaufirma Beekmann vertraglich verpflichtet. "Gegen diese Auflagen verstößt das Unternehmen ebenfalls, denn der Torf wird an einigen Stellen bis in den mineralischen Untergrund hinein abgegraben, so daß die Renaturierung des Moors gefährdet ist", sagte der BUND-Vertreter.
Die Abtorfungsflächen liegen in einem Moorgebiet mit Deutschlands größtem Hochmoorsee, dem "Ewigen Meer". Es genießt seit 1981 höchste Priorität im Niedersächsischen Moorschutzprogramm und wird demnächst als FFH-Gebiet auch international geschützt. "Bis vor wenigen Jahren hat es hier Birkhühner gegeben, die sich wieder ansiedeln könnten, wenn man das Moor in Ruhe ließ und die Entwässerung stoppen würde", erläuterte Runge. "Aber wenn dem unrechtmäßigen Treiben nicht bald ein Riegel vorgeschoben wird, ist es um die Dauerhaftigkeit des 'Ewigen Meers' schlecht bestellt", fürchtet der BUND-Vertreter.
Schon 1989, bei Erteilung der bis zum Jahr 2016 gültigen Abtorfungsgenehmigung, hätte es Ungereimtheiten gegeben. Damals wurde der Abbau unter anderem damit begründet, daß der Torf zur Aufbereitung des Bio-Mülls aus dem Landkreis benötigt würde. "Interessanterweise ist Beekmann ebenfalls für die Bio-Müll-Entsorgung im Landkreis zuständig. Aus anderen Regionen wissen wir aber, daß es überhaupt nicht nötig ist, dem Kompost aus Bio-Müll Torf beizumischen," wundert sich Runge. "Entweder läuft hier was bei der Verarbeitung des Bio-Mülls falsch oder die Firma braucht Scheinargumente für die Zerstörung der wertvollen Moorfläche", so der Vorwurf des BUND.
Scharfe Kritik übte der Umweltverband am Landkreis Aurich. Er sei mehrheitlich an der Kompostfirma beteiligt und hätte bisher kein Interesse daran gehabt, diesen Verstößen und Ungereimtheiten nachzugehen oder gar die Abbaugenehmigung zu widerrufen, um die Moorvernichtung zu verhindern. "Im Gegenteil, Landrat Hinrich Swieter versucht bis heute die Angelegenheit zu verharmlosen. Erst unsere Fachaufsichtsbeschwerde gegen den Landkreis hat Bewegung in die Sache gebracht. Die öffentlichen Proteste gegen den Ausverkauf unseres Moores werden inzwischen immer lauter", berichtete BUND-Sprecher Runge. So daß das Unternehmen die Abtorfung sogar selbst vorläufig gestoppt hätte. "Diese Pause müssen Landkreis und Bezirksregierung Weser-Ems nutzen, um alle offenen Fragen zu klären", forderte Runge.




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