BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


8. Mai 1998

BUND eröffnet Debatte um biologischen Standort Deutschland

Von: Robert Exner, BUND-Pressereferent

Göttingen/Hannover, 08. Mai 1998 - "Die bisherige Standortdebatte greift zu kurz, die biologischen Faktoren, die den Lebensort Deutschland ausmachen, werden dabei ausgeblendet. Wer den Wirtschaftsstandort beleben will, muß die volkswirtschaftlichen Gratisleistungen der Natur miteinkalkulieren und die Funktionsfähigkeit des Naturhaushaltes sichern." Diese Forderung erhob am Freitag abend Renate Backhaus, Landesvorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Niedersachsen bei der Eröffnung der Jahresdelegiertenversammlung des Umweltverbandes in Göttingen. Ohne die natürliche Luftreinhaltung durch Staubfilterung, die Sauerstoffproduktion der Pflanzen, den bakteriellen Schadstoffabbau, die biologische Abwasserreinigung und anderes mehr seien Leben und Arbeiten in Deutschland undenkbar.
"Rechnet man nur die Leistungen in Geld um, die der deutsche Wald für uns erbringt, käme man auf die Größenordnung des jährlichen Bruttosozialproduktes von rund drei Billionen Mark", gab die BUND-Vorsitzende Berechnungen von Prof. Dr. Berndt Heydemann von der Universität Kiel wieder. Der Leiter der Forschungsstelle Ökosystemforschung und Ökotechnik eröffnete mit seinem Vortrag über den biologischen Standort Deutschland die anderthalbtägige Delegiertenversammlung des BUND.
"Eine ökologisch orientierte, zukunftsfähige Politik muß die Bedeutung des Naturhaushaltes als Standortsicherung berücksichtigen", so Backhaus. Gleichzeitig warnte die BUND-Vorsitzende davor, Umwelt und Natur nur mit finanziellen Maßstäben zu messen: "Auch Umweltschützer machen sich zunehmend Gedanken um Arbeitsplätze und die ökologische Umgestaltung der Produktion. Trotzdem steht für uns im Vordergrund, daß saubere Luft zum Atmen, klares Wasser und gesunde Lebensmittel, das Rauschen des Waldes oder der Duft einer Sommerwiese eigene Werte darstellen, die sich nicht in blanke Münze umrechnen lassen", erklärte Backhaus.

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Lebendiges Niedersachsen statt Stillstandort

Mit seinem Leitantrag "Lebendiges Niedersachsen statt Stillstandort" legte der BUND bei der Delegiertenversammlung ein Programm für eine zukunftsfähige Politik vor: "Umwelt- und Naturschutz, wirtschaftliche Entwicklung und soziale Gerechtigkeit bei uns und in den unterentwickelten Ländern müssen gleichrangige und zusammengehörende Ziele der Politik sein", erwartet Backhaus. Eine zentrale Forderung des BUND ist die Einführung der ökologischen Steuerreform: Dies sei der richtige Schritt für eine moderne Wirtschaftspolitik, die Rohstoffe einspare, die Umwelt entlaste und Jobs für die Unternehmen durch die Senkung von Lohnnebenkosten attraktiver mache. "SPD-Kanzlerkandidat Gerhard Schröder handelt verantwortungslos, wenn er diese Chance nicht nutzt, 600.000 Arbeitsplätze in den nächsten zehn Jahren zu schaffen", so die BUND-Vorsitzende.


Quelle: http://archiv.bund-niedersachsen.de/nc/presse/pressemitteilungen/detail/browse/85/artikel/bund-eroeffnet-debatte-um-biologischen-standort-deutschland/