13. Mai 1998
Alle Jahre wieder - Ozonalarm - BUND fordert ökologische Verkehrswende statt Ozonwarnungen von Mai bis Oktober
Von: Robert Exner, BUND-Pressereferent
Hannover, 13. Mai 1998 - "Ozonalarm nach nur vier schönen Sonnentagen - das zeigt, mit unserer Verkehrspolitik läuft etwas grundsätzlich verkehrt. Niedersachsen muß umsteuern, um die schleichende Ozonvergiftung der Bevölkerung zu verhindern", forderte heute Sibylle Maurer-Wohlatz, Verkehrsexpertin des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Niedersachsen. Wichtiger als Fahrverbote und Warnungen vor Gesundheitsschäden seien attraktive Alternativen zum Auto: "Fahrpreiserhöhungen für öffentliche Verkehrsmittel, wie jetzt wieder in Hannover, sind falsche Signale. Stattdessen zeigt der Modellversuch im brandenburgischen Templin und in anderen Städten, daß Busse und Bahnen den Bürgern sogar fast zum Nulltarif angeboten werden könnten. Das Geld dafür holen die Städte an anderer Stelle wieder rein", erläuterte die Verkehrsexpertin.
Der BUND forderte mehr "Umweltspuren" für Busse, Taxis und Fahrgemeinschaften in Städten und Gemeinden einzurichten: "Diese Vorrangspuren, die Bussen freie Fahrt auf überfüllten Straßen garantieren, sind das billigste Förderungsprogramm für öffentliche Verkehrsmittel. Ein neuer Linienbus kostet die Verkehrsbetriebe über 300.000 Mark, für diese Summe kann man schon fünfzehn Kilometer Umweltspur auf der Fahrbahn ausweisen", so Maurer-Wohlatz.
Landesweit müßte das Streckennetz der Regionalbahnen verbessert werden. "Niedersachsen unternimmt zu wenig, um bestehende Strecken und Fahrpläne kundenfreundlich aufeinander abzustimmen", kritisierte Maurer-Wohlatz. "In Bayern und Rheinland-Pfalz funktioniert das besser, hier ist der Zugverkehr im Nahbereich seit 1996 um über dreißig Prozent gestiegen", weiß die BUND-Expertin.
Ozonwarnungen seien für den Gesundheitsschutz der Bevölkerung wenig effektiv: Der jetzt geltende Einschreitwert von 240 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter Luft sei viel zu hoch, die Ausnahmeregelungen der Ozonverordnung zu weitreichend: "Hustenreiz, Kopfschmerzen und Augenbrennen spüren viele Erwachsene schon bei 120 Mikrogramm Ozon und für Kinder wird es schon bei 100 Mikrogramm gefährlich", erläuterte Maurer-Wohlatz. "Statt des jährlichen Ozonalarms könnte man pauschal den Kalender ändern und einen Ozon-Sommer als neue Jahreszeit einführen. Kindern, Alten und kranken Menschen müßte man dann empfehlen, währenddessen möglichst nicht ins Freie zu gehen", bemerkte die BUND-Sprecherin ironisch.