BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


6. August 1998

"Schluß mit dem legalen und illegalen Doping"BUND für generelles Verbot von Leistungsförderern in der Tiermast -

Von: Robert Exner, BUND-Pressereferent

Hannover, 06. August 1998 - "Die Gesundheit von Tieren und Menschen gefährden nicht nur die illegalen Leistungsförderer in der Nutztierhaltung, wie das jetzt wieder ins Gerede gekommene Clenbuterol, sondern auch die Antibiotika und anderen Leistungsförderer, die in Deutschland noch immer zugelassen sind", erklärte heute Tilman Uhlenhaut, Landwirtschaftsexperte des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Niedersachsen. So ständen die legalen Leistungsförderer Olaquindox und Carbadox in Verdacht, auch beim Menschen das Erbgut zu verändern bzw. Krebs auszulösen. Antibiotikahaltige Futterbeigaben führten erwiesenermaßen als Nebenwirkung zu resistenten Bakterienstämmen, die beim Menschen Krankheiten verursachen können. "Erkrankt jemand an derartigen Erregern, setzt immer häufiger eine langwierige Suche nach Antibiotika ein, die dann tatsächlich noch wirken. Eine Lungenentzündung könnte so wieder zu einer lebensgefährlichen Krankheit werden", sagte Uhlenhaut.
Zum Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher fordert der Umweltverband daher ein generelles Verbot von Leistungsförderern in der deutschen Tiermast. "In Schweden sind solche Wirkstoffe schon seit 1986 nicht mehr erlaubt und die Schweiz verbietet sie Anfang nächsten Jahres", so der BUND-Experte. "Es ist zu einfach, nur mit dem Finger auf Schwarze Schafe unter den Tiermästern zu zeigen, die illegale Mittel einsetzen.' Neben der viel strengeren Verfolgung dieser Täter, müsse das Doping im Stall grundsätzlich unterbunden werden. Antibiotika finden sich standardmäßig in konventionellen Futtermischungen von allen Nutztieren (außer Milchkühen) wie z.B. Schweinen und Mastgeflügel. Die Leistungsförderer werden direkt mit dem Futter verabreicht und bewirken eine Veränderung der Magen-Darmflora. Dadurch soll die Futterverwertung und Wachstumsschnelligkeit der Tiere gesteigert werden.
Eine Studie im Auftrag des BUND in Zusammenarbeit mit dem Verein für tiergerechte und umweltschonende Nutztierhaltung NEULAND hat ergeben, daß auch die konventionelle Tiermast ohne finanzielle Verluste auf Leistungsförderer verzichten kann. "Eine Gesundheitsgefährdung der Verbraucher ist also durch nichts zu rechtfertigen", sagte Uhlenhaut. "Wer aber sicher sein will, Fleisch zu essen, das ohne Leistungsförderer erzeugt wurde, muß Produkte von NEULAND oder Erzeugnisse des ökologischen Landbaus (wie z.B. BIOLAND, DEMETER oder Naturland) kaufen", so der BUND-Experte weiter. In solchen Betrieben werde das selbstgesetzte Verbot von Leistungsförderern streng kontrolliert.


Quelle: http://archiv.bund-niedersachsen.de/nc/presse/pressemitteilungen/detail/browse/83/artikel/schluss-mit-dem-legalen-und-illegalen-dopingbund-fuer-generelles-verbot-von-leistungsfoerderern-in/