17. September 1998

Proteste gegen das Emssperrwerk - "Rammschlag ist Todesstoß für die Ems"

Von: Robert Exner, BUND-Pressereferent

Gandersum/Emden, 17. September 1998 - Als Todesstoß für die Ems bezeichneten die Umweltverbände BUND, LBU, NABU und WWF den ersten Rammschlag für das umstrittene Emssperrwerk. Mit Booten auf dem Fluß und einer Demonstration auf dem Deich bei Gandersum protestierten sie zusammen mit Bürgerinitiativen und holländischen Umweltverbänden gegen den vorzeitigen Baubeginn. "Jahrelang wurden der Ems durch die Bagger tiefe Wunden zugefügt, jetzt geben Schröder und Seiters dem Fluß mit dem Startschuß für einen 32 Kilometer langen Stausee den Rest", empörten sich die Verbände. Das Sperrwerk zerschneide den zusammenhängenden Flußlebensraum und die Lebensader der Region. Die Ems werde seiner natürlichen Dynamik beraubt und drohe beim Aufstauen für die Schiffsüberführungen aus Sauerstoffmangel zu ersticken.
Obwohl gegen das Projekt mehrere Klagen beim Verwaltungsgericht Oldenburg vorlägen und die Klagefrist gegen das Projekt erst in drei Wochen abläuft, schafften der Ministerpräsident und SPD-Kanzlerkandidat Gerhard Schröder und der Vertreter der Bundesregierung Rudolf Seiters jetzt Fakten, die eine gerichtliche Auseinandersetzung erschwerten. "Landes- und Bundesregierung brauchen sich über Politikverdrossenheit nicht zu wundern, angesichts dieses Wahlkampfmanövers mit der Dampframme", erklärte ein Sprecher der Organisationen.
Bis heute sei nicht klar, ob das Bauwerk jemals funktionieren werde, denn das Sperrwerk wurde ohne einen Betriebsplan genehmigt: "Es scheint keinen Politiker zu beunruhigen, daß hier unter Umständen 500 Millionen Mark Steuergelder in den Sand gesetzt werden. Hauptsache Schröder und Seiters können sich als Macher hervortun", warfen die Verbände den Politikern vor. Es sei ein offenes Geheimnis, daß das Küstenschutzargument mißbraucht werde, um die staatliche Förderung der Meyer-Werft zu vertuschen: "Die Ems wird geopfert, ohne die Arbeitsplätze in Papenburg tatsächlich zu sichern oder die Menschen an der Küste besser zu schützen."
Als Hauptgründe, die aus ökologischer Sicht gegen das Sperrwerk sprechen, nannten die Organisationen:

  • Das Emssperrwerk werde mitten in ein international bedeutsames Vogelschutzgebiet hineingebaut. Brut- und Rastgebiete weltweit seltener Vogelarten, wie Nonnengans und Regenbrachvogel, würden unwiederbringlich vernichtet. Bau und Betrieb des Sperrwerks wirke sich auch auf angrenzende Schutzgebiete negativ aus. Es behindere ebenfalls dicht über der Wasseroberfläche fliegende Zugvögel, die dem Flußlauf zu folgen versuchten.
  • Beim tagelangen Aufstau der Ems sei zu befürchten, daß der Sauerstoffgehalt im Wasser unter den für Fische überlebensnotwendigen Wert von vier Milligramm pro Liter (4 mg/l) sinkt. Obwohl die Ems auch so schon unter Sauerstoffarmut leide, garantiere die Genehmigung für den Sperrwerksbau nicht, daß sich die Situation für die Fische in der Ems bei Schiffsüberführungen nicht noch weiter verschlechtert.
  • Die für den Stau der Ems vorgesehenen Pumpen, die hundert Kubikmeter Wasser pro Sekunde aus dem Dollart in die Ems pumpen können, seien tödliche Fallen für die Fische, die in den starken Sog der Pumpen geraten. Gefahr sehen die Umweltschützer auch durch das Salzwasser, das in die Ems gepumpt werde. Denn durch diese künstliche Meerwasser-Strömung könnten Süßwasserbereiche versalzen, mit der Folge, daß die dort angepaßten Pflanzen und Tiere absterben.




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