BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


6. Oktober 1998

Dezentrale Abwasserbehandlung in Niedersachsen - BUND fordert hohes technisches Niveau für Kleinkläranlagen "Das Prinzip aller Dinge ist das Wasser, aus Wasser ist alles und ins Wasser kehrt alles wieder zurück." (Thales von Milet, Naturphilosoph)

Von: Robert Exner, BUND-Pressereferent

Hannover, 06. Oktober 1998 - "Die Gemeinden müssen bei der anstehenden Neuregelung ihrer Abwassersatzungen dezentrale Kleinkläranlagen stärker berücksichtigen. Gerade in ländlichen Bereichen sind diese wartungsfreundlichen Abwasserbehandlungsanlagen sinnvoll, um unnötige Anschlußkanäle und die millionenteuren Sanierungsfolgekosten zu vermeiden", sagte Günter Fehr, Sprecher des Arbeitskreises Wasser vom BUND-Niedersachsen heute auf einer Pressekonferenz in Hannover. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland sieht in den rund 275.000 privaten Kleinkläranlagen, die es in Niedersachsen gibt, gute Beispiele für einen sorgsamen Umgang mit Wasser und für eigenverantwortliches Handeln der Bürger. Häusliches Abwasser bestehe zu über 99 Prozent aus Wasser, das nach der Klärung direkt dem Grundwasser zugeleitet werden könne. Der Rest seien größtenteils Nährstoffe, die durch einer biologischen Reinigung dem Abwasser entzogen und dann beispielsweise als Pflanzennährstoff dem Naturkreislauf wieder zugefügt werden könnten.
Seit der Novellierung des Niedersächsischen Wassergesetzes (NWG) 1995 sind Kleinkläranlagen rechtlich den rund 1.060 kommunalen Kläranlagen, an die 87 Prozent der Bevölkerung angeschlossen sind, gleichgestellt. Bis Ende dieses Jahres nun müssen die niedersächsischen Gemeinden ihre Abwassersatzungen fertiggestellt haben. Darin können sie Gemeindegebiete festlegen, in denen die Abwasserbeseitigung über Kleinkläranlagen auf den Privatgrundstücken erfolgen soll.
"Niedersachsens Bäche und Flüsse, aber auch das Grundwasser fließen alle Richtung Nordsee und Wattenmeer. Schon aus Sorge um diesen einzigartigen Lebensraum ist eine Abwasserreinigung auf hohem Niveau notwendig", sagte der BUND-Experte. Deshalb müßten auch Kleinkläranlagen einen hohen technischen Standard erfüllen. Veraltete Systeme, wie Sickerschächte oder nicht zu kontrollierende Anlagen, wie die Untergrundverrieselung von Abwässern, lehnte der BUND ab. "Soetwas schadet nicht nur der Umwelt, sondern auch der Akzeptanz und der politischen Durchsetzbarkeit von dezentralen Abwasserbehandlungsanlagen", erklärte der BUND-Vertreter. Die Landesregierung sei daher gefordert, mit gesetzlichen Rahmenbedingungen für entsprechende technische Standards zu sorgen.
Die Nährstoffbelastungen des Grundwassers durch einfache Kleinkläranlagen sei vergleichbar mit dem Nährstoffeintrag aus ordnungsgemäßer konventioneller Landwirtschaft. Bessere Reinigungsleistung und damit weniger unerwünschte Nährstoffe, die in das Grundwasser gelangen, ist durch größer dimensionierte Anlagen zu erzielen oder durch die Kombination verschiedener Anlagentypen, wie Sandfilter, Teichanlagen oder Pflanzenkläranlagen. Der BUND empfiehlt bei Neubau von Kleinkläranlagen solche wartungsfreundlichen und kostengünstigen Anlagensysteme.


Quelle: http://archiv.bund-niedersachsen.de/nc/presse/pressemitteilungen/detail/browse/82/artikel/dezentrale-abwasserbehandlung-in-niedersachsen-bund-fordert-hohes-technisches-niveau-fuer-kleinkl/