30. Oktober 1998
Baggern, begradigen, betonieren - Hochwasserursachen oft menschengemacht
Von: Robert Exner, BUND-Pressereferent
Hannover, 30. Oktober 1998 - Auf die menschengemachten Ursachen vieler Überschwemmungen wies heute der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Niedersachsen hin. "Auslöser sind immer starke Niederschläge, aber durch fortwährendes Baggern, Begradigen und Betonieren der Gewässerläufe und der Landschaft schaukeln sich die Wassermassen zu zerstörerischen Hochwasserwellen auf", erklärte BUND-Sprecher Robert Exner. Der BUND forderte einen Stopp beim Gewässerausbau und ein effektives Bodenschutzprogramm. "Den Flüssen muß man endlich wieder ihren Lauf lassen. Schönwetterreden hat es zu diesem Thema schon genug gegeben, trotzdem wird die Fluß- und Landschaftszerstörung weiter fortgesetzt", sagte Exner.
Etwa 180.000 Kilometer Fließgewässer durchziehen Niedersachsen, kein Bach oder Fluß habe aber noch von der Quelle bis zur Mündung seinen natürlichen Lauf: Sie wurden in Rohre gezwängt, begradigt, überbaut und vertieft. "Die Folgen der Eingriffe, bekommen wir jetzt immer häufiger zu spüren", sagte Exner. "Obwohl uns das Wasser buchstäblich bis zum Hals steht, werden weiterhin Gewässer ausgebaut", beklagte der BUND-Sprecher. Als Beispiele nannte er die aktuellen Vorhaben an Ems, Weser und Elbe.
In Niedersachsen habe sich der Anteil der überbauten Fläche seit den 50er Jahren verdoppelt. Tag für Tag verschwinden hierzulande rund zwölf Hektar, also mehr als zwanzig Fußballplätze unter Asphalt und Beton. Damit seien nicht nur die Flußläufe, sondern auch deren Einzugsgebiete maßgeblich verändert worden. "Moore und Feuchtgebiete werden trockengelegt, der Ackerboden wird verdichtet und immer größere Flächen werden bebaut. Damit werden die natürlichen Wasserspeicher vernichtet", erklärte der BUND-Vertreter. Von den ursprünglich rund 3.300 Quadratkilometer Hochmoorflächen in Nordwestdeutschland kann heute nur noch ein Zehntel als naturnah bezeichnet werden. Die ehemaligen Moore, die wie ein natürlicher Schwamm Regenwasser in der Landschaft festgehalten haben, wurde durch Abtorfung zerstört oder durch landwirtschaftliche Nutzung stark verändert.
"Der Verlust an natürlichem Boden ist so dramatisch, daß jede weitere Versiegelung ausgeglichen werden muß. Städte und Gemeinden sollten dazu alljährlich Flächenbilanzen vorlegen", schlägt Exner vor. Er sprach sich gegen leichtfertige Ausweisungen von Neubaugebieten aus. "Erst sollten Baulücken in den Ortskernen geschlossen werden. Der BUND forderte die Kommunen auf, private Initiativen zur Entsiegelung beispielsweise von Hofflächen oder Garagenzufahrten durch Zuschüsse und Sparanreize zu fördern, so wie die Städte Bonn, Aachen oder Freiburg. "Dort werden Bürger, die ihren Privatgrund entsiegeln und somit einen kleinen Beitrag zum Hochwasserschutz leisten, mit niedrigeren Abwassergebühren belohnt", berichtete der BUND-Sprecher.