BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


25. November 1998

Pestizid-Herstellung bei Riedel-de-Haen kurz vor der Genehmigung?

Von: Robert Exner, BUND-Pressereferent

Hannover, 25. November 1998 - Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Niedersachsen befürchtet, daß die neue Anlage zur Herstellung von Konservierungsmitteln bei der Firma Riedel-de-Haen in Seelze bald ohne weitere Auflagen genehmigt wird. Nach Ansicht der Umweltschützer kommt es einer Verschleierung gleich, wenn in der Beschreibung der geplanten Anlage nur von technischen Konservierungsmitteln gesprochen werde, tatsächlich will Riedel bei der Produktion sogenannte biozide Stoffe einsetzen, die Pflanzen und Mikroorganismen abtöten und damit auch Menschen und Umwelt erheblich gefährden können. Mit der neuen Anlage will das Unternehmen seine Produktion von jährlich 3.500 Tonnen auf 6.000 Tonnen ausweiten. Daß gegen die Anlagenerweiterung nicht stärker öffentlich protestiert wurde, führt der BUND darauf zurück, daß durch die Verharmlosung in den Planungsunterlagen die Risiken und Gesundheitsgefahren nicht erkennbar waren: "Selbst Fachleute haben Schwierigkeiten, aus der Sammelbezeichnung "Mergale", die Riedel für seine Konservierungsstoffe verwendet, genau herauszufinden, daß sich hinter diesem Begriff Pestizide verbergen", sagte Dr. Marita Wudtke, Chemikerin beim BUND.
Auf dem Erörterungstermin der Ausbaupläne bei der Bezirksregierung Hannover wies der BUND gestern in einer Auflistung nach, daß in der Anlage "klassische" Pestizide wie zum Beispiel das Unkrautvernichtungsmittel Diuron eingesetzt werden sollen. Mit den Konservierungsmitteln werden Textilien, Farben und Lacke, Holz, Kleber und Gummi haltbarer gemacht. Auf dem Termin erläuterte der BUND die Gefahren von bioziden Stoffen im Alltag: Sie stehen im Verdacht, Krebs, Erbgutveränderungen, Fruchtbarkeitsstörungen und allergische Krankheiten auszulösen. Der Umweltverband stellte die Notwendigkeit, solche Stoffe einzusetzen, grundsätzlich in Frage, denn es gebe inzwischen Alternativen, die weniger gesundheitsgefährdend seien.
Sollte die Anlage in Kürze genehmigt werden, wovon auszugehen ist, muß nach Ansicht des BUND eine strenge Überwachung der Produktion durch das Gewerbeaufsichtsamt gewährleistet werden. Zudem müßten die Klärschlämme von Riedel-de-Haen, die im Zementwerk Höver verbrannt werden, auf verschleppte Pestizide überprüft werden. Nur so ließe sich ausschließen, daß die gefährlichen Substanzen in die Umwelt gelangten.


Quelle: http://archiv.bund-niedersachsen.de/nc/presse/pressemitteilungen/detail/browse/81/artikel/pestizid-herstellung-bei-riedel-de-haen-kurz-vor-der-genehmigung/