4. Dezember 1998

Emssperrwerk - Ab wann ist ein Baustopp ein Baustopp? BUND und NABU: Arbeiten auf der Sperrwerks-Baustelle unzulässig

Von: Robert Exner, BUND-Pressereferent

Hannover, 04. Dezember 1998 - Der niedersächsische Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Naturschutzbund Deutschland (NABU) forderten jetzt die Bezirksregierung Weser-Ems auf, unverzüglich dafür zu sorgen, daß sämtliche Arbeiten an der Baustelle in Gandersum eingestellt werden, die nicht der Deichsicherheit dienen. Nur solche Maßnahmen hatte das Verwaltungsgericht Oldenburg in seiner Entscheidung von letzter Woche noch zugelassen. "Das Ausheben von Gräben, die Verlegung von Wasser- und Stromleitungen zu dem Bürodorf aus fast fünfzig Containern im Deichvorland, die Einrichtung dieser Container, die Installation von Scheinwerfern, all das hat absolut nichts mit der Deichsicherung zu tun, sondern ist die verkappte Fortführung der Bauarbeiten. Die Sperrwerksbauer versuchen sich hier tolldreist über den Gerichtsbeschluß hinwegzusetzen", sagte BUND-Expertin Vera Konermann für die Verbände. Aus Ihrer Sicht ist die Errichtung des Containerdorfs auf einem extra angeschütteten Plateau von rund hundert Meter Länge und sieben Meter Höhe durch den Planfeststellungsbeschluß für das Emssperrwerk nicht genehmigt. "Schon aus diesem Grunde bewegen sich die Arbeiten im juristischen Graubereich", bemängelt die BUND-Expertin.
Eine Gefahr für die angrenzenden Vogelschutzgebiete sehen die Verbände auch in der starken Ausleuchtung des Deichvorlandes. "Offenbar wird das Areal nachts durch Scheinwerfer taghell angestrahlt. Für Vögel bedeutet dies eine gravierende Störung. Wird nämlich durch das Flutlicht der Tag künstlich verlängert, gerät die innere Uhr bei Zugvögeln wie Gänsen, Schwänen, Enten und Watvögeln völlig durcheinander und die Vögel ziehen früher ab", erklärte Helmut Kruckenberg, NABU-Naturschutzreferent. Dies belegten Untersuchungen der englischen Vogelexpertin Eileen Rees vom englischen Wildfowl & Wetlands Trust. Das unmittelbar angrenzende Naturschutzgebiet Petkumer Deichvorland und die Vorländereien bei Nendorp seien international bedeutsame Rastplätze für Pfeifenten und Graugänse. "Hier muß der Baustopp für Ruhe sorgen, bevor diese geschützten Vögel verscheucht sind", so Kruckenberg weiter.Obwohl der Gerichtsbeschluß ein deutlicher Warnschuß für die Sperrwerksplaner gewesen sei, Natur und Umwelt stärker zu berücksichtigen, werde in Gandersum mit der gleichen Ignoranz wie vorher weiter gemacht. "Offenbar sind Bezirksregierung und die Sperrwerksbauer aus Schaden noch nicht klug geworden", vermuten die Umweltverbände.




  • Direkt zur Online-Spende, Foto: eyewire / fotolia.com
  • Direkt zum Online-Antrag, Foto: eyewire / fotolia.com

Ihre Spende hilft.

Suche