29. März 1999
Expo-Umweltmanagement - BUND und BIU - "Außen Hui und innen Pfui"
Von: Robert Exner, BUND-Pressereferent


Hannover, 29. März 1999 - Zum Umweltmanagement der Expo 2000 haben sich heute die Bürgerinitiative Umweltschutz (BIU) und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisch geäußert: "Nimmt man die Versprechungen und Zusagen der Expo einmal genauer unter die Lupe, bleibt nicht viel übrig", kritisierte Robert Exner, Expo-Referent des BUND. Beispielsweise lobe sich die Expo-GmbH für ihre umweltfreundliche Verkehrsabwicklung. "Rund 60 Prozent der Besucher kommen zur Weltausstellung aber auf der Straße, 40 Prozent immerhin noch im eigenen PKW bis nach Hannover", hat Exner errechnet. Die Expo unternehme dagegen nichts, denn die Anreiseinformationen, die mögliche Besucher über das Call-Center abrufen könnten, verzeichneten beispielsweise nur das Straßennetz. "Von Eisenbahnverbindungen ist da keine Rede," so der BUND-Sprecher. Angesichts des wirtschaftlichen Drucks, vierzig Millionen Eintrittskarten verkaufen zu müssen, befürchtet Exner, daß die Expo noch mehr Tickets ohne Terminbindung auf den Markt bringen werde: "Eine Lenkung auf öffentliche Verkehrsmittel wird dadurch ganz unmöglich."
BIU und BUND kritisierten weiterhin, daß die Expo sich zwar vollmundig mit dem Kombiticket rühme, aber nur zwanzig Prozent der Kosten übernehmen will. Die Nutzung der Eintrittskarte als Fahrkarte für An- und Abreise mit öffentlichem Nahverkehr - schon längst bei jedem Theaterbesuch und Fußballspiel von Hannover 96 üblich - müßten zur Expo überwiegend das Land, die Stadt oder die hannoverschen Verkehrsbetriebe bezahlen: "Das geht zu Lasten aller Benutzer öffentlicher Verkehrsmittel. Was daran Öko sein soll, weiß der Himmel", fragt sich Ralf Strobach, Geschäftsführer der BIU. Der Plan der Expo, ein geschütztes Naturgebiet im Norden Hannovers in einen Park-and-Ride-Platz umzuwandeln und mit 3000 Autos vollzustellen, offenbare die eigentliche Einstellung zur Umwelt. Den Hinweis der Weltausstellungsplaner, Hannover bekomme dank Expo eine S-Bahn, hält Strobach für unlauter: "Die S-Bahn hätte es in kürze sowieso gegeben. Jetzt rühmt sich die Expo, diese Sache vorangetrieben zu haben, die Kosten dafür will sie aber nicht in ihre Bilanz miteinbeziehen", ärgert sich der BIU-Geschäftsführer. Nach Ansicht der Umweltverbände schmücke sich die Expo mit fremden Federn: "Wenn man diese abzieht, bleibt ein gerupfter Pleitegeier übrig", so das Resümee von BIU und BUND.
Ein weiteres Beispiel für das eigentümliche Umwelt-Verständnis der Expo sehen die Verbände in der Abfallentsorgung der Weltausstellung, für die das Einwegsystem der Duale System Deutschland GmbH (DSD) zuständig ist. "Was daran vorbildhaft sein soll, ist wirklich fraglich. Das Duale System ist heute Standard in jedem Haushalt und obendrein bei Fachleuten umstritten." Einen exemplarischen Charakter für Umweltvorsorge können Exner und Strobach darin nicht erkennen. "Es gehört zum Umwelt-ein-mal-eins, daß das DSD Einweg fördert und damit Mehrweg blockiert. Von der Vermeidung von Abfällen und der Rohstoffverschwendung hört man bei der Expo bislang nichts", so BUND-Sprecher Exner. Die Mehrweg-Weltausstellung als angebliche Neuerung, wie sie die Expo-GmbH am heutigen Montag vorstellen will, ist in den Augen der Umweltverbände ein schlechter Witz: "Mehrweg ist in jedem guten Restaurant Standard und selbst auf Volksfesten und Weihnachtsmärkten inzwischen immer verbreiteter."
Noch größere Zweifel an der ökologischen Ausrichtung der Expo haben BUND und BIU wenn es um die Inhalte im Themenpark geht. Während die Photovoltaikanlage auf den Hallendächern ein schöner Blickfang sei, werde drinnen im sogenannten "Tal des Atoms" mit der Leitwarte eines neuen Atomreaktortyps die Wiedergeburt der Kernenergie präsentiert: "Expo-Umweltmanagement? Außen hui und innen pfui", lautet daher das Fazit der beiden Umweltverbände.