BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


1. Juli 1999

Auwald-Studie belegt: Für Emssperrwerk ist EU-Stellungnahme erforderlich

Von: Robert Exner, BUND-Pressereferent

Hannover/Bremen, 01. Juli 1999 - "Jetzt haben wir es schwarz auf weiß. Die Weichholz-Auwälder an der Unterems, sind nach EU-Recht besonders schutzwürdig. Eine Stellungnahme der EU zum geplanten Emssperrwerk ist erforderlich", fühlt sich Beatrice Claus von der Umweltstiftung WWF-Deutschland bestätigt. BUND, NABU und der WWF stellten heute die Ergebnisse einer vegetationskundlichen Studie über die Silberweiden-Auwälder an der Unterems vor. Zwischen Herbrum und Leer befaßt sich die wissenschaftliche Untersuchung im Auftrag der Verbände mit sieben Standorten dieser besonderen Pflanzenvorkommen. Wie sich dabei zeigte, sind die Auwälder an der Unterems nach der europäischen Flora-Fauna-Habitat-(FFH)-Richtlinie als sogenannte prioritäre Lebensräume einzuordnen. Die Umweltverbände erwarten deshalb von der Landesregierung, daß der gesamte Emsverlauf als FFH-Gebiet an die EU gemeldet wird. Bisher ist die Ems nur bis Papenburg und dann erst wieder im Dollart als FFH-Gebiet vorgesehen. Die Strecke dazwischen wurde ausgespart, ohne Gründe zu nennen.Ihre Untersuchung legen die Verbände jetzt der EU-Umweltkommission vor. In einem Zwischenbericht an die Bezirksregierung hatte die EU im Mai festgestellt, daß das Sperrwerk einen erheblichen Eingriff in die Natur bedeute. Sie war aber davon ausgegangen, daß die Auwaldreste an der Ems nicht den Kriterien der FFH-Richtlinie entsprechen. "Aufgrund des aktuellen Gutachtens ist es durchaus möglich, daß die EU-Kommission zu einer neuen Bewertung der Weichholz-Auwälder kommt", ist Vera Konermann, Sperrwerksexpertin vom BUND, optimistisch. Dann würden das Sperrwerk und der Emsstau als Beeinträchtigung der schutzwürdigen Auwälder gesehen. "Nur in seltenen Ausnahmen, aus Gründen des Allgemeinwohls darf dann gebaut werden", erläuterte Konermann. Auf jeden Fall müsse eine ausführliche Stellungnahme aus Brüssel für das Projekt eingeholt werden, so verlange es die EU.Anlaß für die Studie der Umweltverbände waren die widersprüchlichen Gutachten in den Sperrwerks-Unterlagen: In der Verträglichkeitsstudie für den Antrag auf Sofortvollzug vom Mai dieses Jahres hatten die Gutachter der Sperrwerksplaner das Vorkommen solch seltener Lebensräume verneint. Erstaunlicherweise hatten dieselben Gutachter zwei Jahre zuvor noch Auwald-Restbestände angegeben, als sie die Umweltauswirkungen des Sperrwerks zum ersten Mal erfaßten. Und auch bei der Untersuchung für die Ems-Vertiefung auf 7,30 Meter hatte das gleiche Büro solche Naturkostbarkeiten an der Ems festgestellt.Sollte die Ems durch das geplante Sperrwerk für die Überführung von Schiffen aufgestaut werden, sehen die Verbände den Bestand der Silberweiden-Auwälder gefährdet: "Die Ems wird dann zu einem stehenden Gewässer. Dadurch kommt es zu untypischen Ablagerungen von Sand und Schlick auf den überstauten Flächen im Deichvorland", erklärte WWF-Vertreterin Claus. Das Salzwasser, das in die Ems zum schnelleren Aufstau gepumpt werden soll, gelange in Naturbereiche, die vorher nie mit Meer- oder Brackwasser in Berührung gekommen seien. "Insgesamt werden sich die Pflanzenbestände ändern bis hin zum Zusammenbruch der Silberweiden-Auwälder", sagte Claus. Alle beschriebenen Vorkommen sind Reste von Silberweiden-Auwäldern, die in den Flußlandschaften an Weser und Ems äußerst selten geworden sind. "Früher waren diese Wälder charakteristisch für die Flußauen. Im Sinne der EU-Richtlinie sind sie repräsentativ für den Naturraum. Daher besteht die Pflicht, sie zu schützen", sagte BUND-Expertin Konermann.


Quelle: http://archiv.bund-niedersachsen.de/nc/presse/pressemitteilungen/detail/browse/79/artikel/auwald-studie-belegt-fuer-emssperrwerk-ist-eu-stellungnahme-erforderlich/