8. September 1999
Y-Trasse: Schnellbahn Hannover - Hamburg/Bremen - BUND fordert Einstellung des Raumordnungsverfahrens
Von: Robert Exner, BUND-Pressereferent
Hannover, 08. September 1999 - Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Niedersachsen forderte heute die Bezirksregierung Lüneburg auf, das Raumordnungsverfahren für die geplante Schnellbahn von Hannover nach Hamburg mit Abzweig nach Bremen, die sogenannte Y-Trasse, einzustellen. In Walsrode sollen heute neue Gutachten im Auftrag des Landkreises Soltau-Fallingbostel vorgestellt werden, wonach die Raumordnungsunterlagen, die die Bahn AG für das Schnellbahnprojekt vorgelegt hat, erhebliche Mängel aufweisen: "Auch wir halten die Bahn-Unterlagen in vielen Teilen für äußerst lückenhaft", kritisierte Dr. Marita Wudtke, Naturschutzexpertin beim BUND.
"Die Untersuchungen der Schnellbahnauswirkungen auf erholungssuchende Menschen, auf Tiere, Pflanzen und deren Lebensräume, auf den Boden und die Landschaft weisen schwere methodische Mängel auf. Umweltfreundliche technische Alternativen, die der BUND und andere Verbände erarbeitet hatten, wurden bei der Darstellung der Umweltauswirkungen nicht berücksichtigt", bemängelte die BUND-Vertreterin. Die Unterlagen der Bahn AG für das über zwei Milliarden Mark teure Verkehrsprojekt entsprächen nicht den Vorschriften des Niedersächsischen Raumordnungsgesetzes.
Verkehrspolitisch sei die Y-Trasse ebenfalls eine Fehlplanung. Denn inzwischen habe die Bahn mit ihrem Konzept "Netz 21" die Weichen ganz anders gestellt. "Zukünftig soll in den Ausbau bestehender Strecken und nicht mehr in den Neubau investiert werden, da in den bestehenden Schienennetzen erhebliche Reserven stecken, die man kostengünstig nutzen kann", so die BUND-Vertreterin. Auf solchen Überlegungen basiert auch das sogenannte "Intelligente Netz", das der BUND zusammen mit dem VCD und PRO BAHN als Alternative zur Y-Trasse ausgearbeitet hat: "Durch die Kombination bestehender Schienentrassen mit neuer Zug- und Signaltechnik haben wir einen Vorschlag entwickelt, der die Umwelt schont und obendrein noch wesentlich kundenfreundlicher ist als die geplante Schnellbahn," so Wudtke.
"Es gibt also viele Gründe, das Projekt noch mal auf den Prüfstand zu schicken. Die Gelegenheit dazu ist günstig, denn zur Zeit wird der Bundesverkehrswegeplan von 1992 überarbeitet. Wir sind überzeugt, dass man nach genauer Prüfung endgültig Abschied von der Y-Trasse nehmen wird", sagte die BUND-Vertreterin.