3. Februar 2000
Emssperrwerksarbeiten außerhalb der Genehmigung - Erlaubte Baggergutmengen werden weit überschritten
Von: Robert Exner, BUND-Pressereferent


Hannover/Bremen, 03. Februar 2000 - Für den Bau des Sperrwerks wurden schon jetzt mehr Boden, Sand und Schlick aus der Ems geholt, als der Planfeststellungsbeschluss erlaubt. Darauf wiesen heute die Umweltverbände BUND und WWF hin. Obwohl die Baggerarbeiten noch längst nicht abgeschlossen sind, seien bis Dezember letzten Jahres statt den genehmigten 400.000 Kubikmetern bereits 480.000 Kubikmeter Bodenmaterial ausgehoben und am Rysumer Nacken in der Nordsee wieder verklappt worden. Das gehe aus den Baggerprotokollen des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft und Küstenschutz (NLWK) hervor. Bis zum Ende der Arbeiten, befürchten die Verbände, könnte sich die tatsächliche Baggermenge verdoppeln - mit äußerst negativen Folgen für die Umwelt: "Die Trübung des Wassers durch das Baggern ist eine der Hauptursachen für die schlechten Lebensbedingungen von Pflanzen und Tieren in der Ems. Lichtmangel und der sauerstoffzehrende Abbau der Schwebstoffe führen zu einem lebensbedrohlichen Sauerstoffmangel im Fluss", erläuterte BUND-Sperrwerksexpertin Vera Konermann.Die Umweltverbände hatten schon im Genehmigungsverfahren darauf hingewiesen, dass das Sperrwerk in einem Emsabschnitt errichtet wird, der für die besonders starke Ablagerung von Sand und Schlick bekannt ist. In diesem Flussabschnitt sanden die bedarfsweisen Vertiefungen auf 7,30 Meter für die Überführung von Meyer-Schiffen, bereits nach sechs Wochen wieder komplett auf. Die Schwelle des Sperrwerks, der sogenannte Drempel, soll sogar neun Meter tief reichen. "Deshalb ist zu erwarten, dass ständig gebaggert oder gespült werden muss, um das Sperrwerk vor der völligen Verschlickung zu bewahren," so WWF-Sperrwerksexpertin Beatrice Claus. Für das Spülen müsste das Sperrwerk allerdings häufig geschlossen werden. Dann bestehe die Gefahr, dass es wie beim Eidersperrwerk zu einer Manipulation der Gezeiten kommt. Damit wäre die Natürlichkeit des Ems-Ästuars zerstört.Für die Umweltverbände ist bereits jetzt das Argument der Sperrwerks-Befürworter widerlegt, dass zukünftig weniger in der Ems gebaggert werden müsse: "Diese Sisyphusarbeit muss auch weiterhin der Steuerzahler finanzieren", kritisiert BUND-Sprecherin Konermann.
