14. Februar 2000

Emssperrwerk - Umweltverbände wenden sich erneut an die EU "Mit Naturschutzauflagen wird herumgetrickst"

Von: Robert Exner, BUND-Pressereferent

Hannover/Bremen, 14. Februar 2000 - Im Zusammenhang mit dem Emssperrwerk haben sich die Umweltverbände BUND, NABU und WWF erneut an die EU gewandt. Obwohl bei Gandersum seit Oktober 1999 wieder gearbeitet wird, würden Naturschutzauflagen aus dem Planfeststellungsbeschluss nicht ausreichend berücksichtigt. Laut Plangenehmigung hätten vorher zehn Hektar Ersatzfläche für die betroffenen Vogelarten bereitgestellt werden müssen. Denn die jetzigen Arbeiten hätten bereits Auswirkungen auf das EU-Vogelschutzgebiet Nendorper Deichvorland. "Gerade jetzt im Winter ist das Deichvorland eine wichtige Station für Gastvögel. Durch die Rammarbeiten werden die Vögel gestört, ohne ihnen nahegelegene Ausweichmöglichkeiten zu bieten", erklärte eine Sprecherin der Umweltverbände. Auf diese vorgeschaltete Naturschutzmaßnahme hat sowohl das Verwaltungsgericht Oldenburg bei der Aufhebung des Baustopps, als auch die EU-Kommission verwiesen. Mit ihrem aktuellen Schreiben wollen die Umweltverbände erreichen, dass die EU das Beschwerdeverfahren erneut aufgreift: "Nach unseren Kenntnissen sind die Flächen vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft und Küstenschutz (NLWK) noch nicht im erforderlichen Umfang bereitgestellt worden", so die Vertreterin der Verbände. Außerdem sei das bisher vorgesehene Gebiet von seiner Lage und Qualität her nicht geeignet. Bei Nendorp seien zum größten Teil wertvolle Salzwiesen im küstennahen Brackwasserbereich der Ems-Mündung betroffen. Dagegen liegen die bislang von der Behörde vorgesehenen Grundstücke im Süßwasserbereich der Ems. "Betroffene Vogelarten, wie der Säbelschnäbler, eine Charakterart der Küste, werden diese Flächen nicht aufsuchen", kritisierte die Sprecherin der Umweltverbände. Laut Plangenehmigung müssen die neuen Naturschutzflächen in räumlicher Nähe zum gestörten Vogelschutzgebiet liegen. Zusätzlich ist vorgeschrieben, dass landwirtschaftlich intensiv genutzte Flächen umgewandelt werden sollen, die noch keine nennenswerte Bedeutung für die Natur und den Vogelschutz haben. "Die vom NLWK anvisierten Flächen bei Leer sind jedoch über 15 Kilometer von Nendorp entfernt und weisen bereits jetzt zum Teil naturnahe Vegetation auf", so die Sperrwerksexpertin der Umweltverbände. "Hier wird mit Flächen und den Naturschutzauflagen getrickst, nur um dem umweltschädlichen Emssperrwerk etwas Fassadengrün zu verpassen", erklärten die Umweltverbände. Neuen Lebensraum für Säbelschnäbler und Nonnengänse, die am meisten vom Bau des Sperrwerks betroffen seien, ließe sich nur im Brackwasserbereich der Ems, beispielsweise durch Rückdeichungen, schaffen.




  • Direkt zur Online-Spende, Foto: eyewire / fotolia.com
  • Direkt zum Online-Antrag, Foto: eyewire / fotolia.com

Ihre Spende hilft.

Suche