BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


15. Februar 2000

BUND lehnt Ausbau der Mittelweser ab - "Ökologische, ökonomische und rechtliche Argumente sprechen dagegen"

Von: Robert Exner, BUND-Pressereferent

Hannover, 15. Februar 2000 - "Der geplante Ausbau der Mittelweser ist unzulässig. Das Planfeststellungsverfahren muss unverzüglich eingestellt werden." Dieses Fazit zieht Dr. Marita Wudtke, Referentin für Naturschutzpolitik beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Niedersachsen, nach genauer Durchsicht der Planunterlagen. Der Umweltverband nennt in seiner heutigen Stellungnahme gegenüber der verantwortlichen Wasser- und Schifffahrtsdirektion (WSD)-Mitte zahlreiche ökologische, ökonomische und planrechtliche Argumente gegen den Flussausbau: "Die ökologischen Auswirkungen der Vertiefung und Kurvenbegradigung auf die Weser und ihre Nebenflüsse wurden nicht ausreichend untersucht. Welche Folgen die veränderten Hochwasser für die Natur in den Flussauen haben, ob ökologisch bedenkliche Unterhaltungsbaggerungen notwendig sind und wo überhaupt das mit Giftstoffen belastete Baggergut gelagert werden soll - all diese Fragen beantwortet die WSD gar nicht oder nur lückenhaft", wirft Wudtke der Genehmigungsbehörde vor.
Entscheidend sei auch, dass die Planung der WSD auf einer völlig veralteten Kosten-Nutzen-Analyse basiere: "Der aktuelle Transportbedarf auf der Weser wurde nicht ermittelt. Ebensowenig die zukünftigen Transportmöglichkeiten der Bahn als Alternative zum Flussausbau", so die BUND-Expertin. Das Verfahren hätte auf einer derart wackeligen Grundlage gar nicht erst begonnen werden dürfen. "Wir sind davon überzeugt, dass der ökologisch schwerwiegende Eingriff auch ökonomisch nicht haltbar ist. Deshalb hat die Behörde auf eine aktuelle Kosten-Nutzen-Analyse wohl von vornherein verzichtet", vermutet BUND-Vertreterin Wudtke.
Planrechtlich sei das Verfahren fehlerhaft dadurch, dass Alternativen zum Ausbau nicht hinreichend untersucht wurden: "Mit modernen, satellitengestützten Navigationssystemen ließe sich der Schiffsverkehr auf der Weser optimieren und die Transportkapazitäten auch mit kleineren Schiffen erhöhen. Doch diese ökologisch eindeutig verträglichere Variante wurde gar nicht erst in Erwägung gezogen", nennt Wudtke als weiteres Beispiel für Versäumnisse der WSD.
Nach den Plänen der WSD soll die Mittelweser auf rund einhundert Kilometern Länge zwischen Landesbergen - südlich von Nienburg - und Hemelingen bei Bremen ausgebaut werden. Durch Vertiefungen und Kurvenbegradigungen will man den Fluss für 110 Meter lange Großmotorgüterschiffe befahrbar machen. Mindestens 135 Millionen Mark wird der Ausbau kosten, zahlreiche Folgemaßnahmen, die der Ausbau nach sich ziehen könnte, sind nach Angaben des BUND noch nicht einkalkuliert worden.


Quelle: http://archiv.bund-niedersachsen.de/nc/presse/pressemitteilungen/detail/browse/76/artikel/bund-lehnt-ausbau-der-mittelweser-ab-oekologische-oekonomische-und-rechtliche-argumente-sprechen/