BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


11. April 2000

Gnadenfrist für Nonnengänse - Umweltverbände fordern Einstellung der Bauarbeiten für das Emssperrwerk auf dem Nendorper Vorland

Von: Robert Exner, BUND-Pressereferent

Bremen/Hannover, 11. April 2000 - Rund 14.000 Nonnengänse sind gefährdet, wenn sie während ihrer Rastzeit bis Ende Mai durch die Bauarbeiten am Emssperrwerk aus dem Nendorper Vorland (Kreis Leer) vertrieben werden. Nur auf diesen Flächen finden die Gänse im Frühjahr genügend Nahrung für ihren langen Flug nach Sibirien. Die Umweltverbände BUND, NABU und WWF fordern deshalb die Vorhabenträger auf, die Bauarbeiten für das Emssperrwerk in diesem EU-Vogelschutzgebiet auszusetzen, um damit den Nonnengänsen eine gute Überlebenschance zu geben.Das Nendorper Vorland wird von März bis Ende Mai von Nonnengänsen als Rastgebiet genutzt. Durch die jetzt begonnenen Baumaßnahmen wird dieses Vogelschutzgebiet zerschnitten und entwertet. Allenfalls kleine Gänsetrupps können diese Restflächen noch nutzen. "Die meisten Gänse werden ihre Nahrungsgrundlage ersatzlos verlieren. Sie können nicht genügend Fettreserven bilden und gehen geschwächt auf den Langstreckenflug nach Sibirien, den sie wahrscheinlich nicht überleben werden", warnte eine Sprecherin der Verbände. Laut Planfeststellungsbeschluss darf mit den Bauarbeiten im Nendorper Vorland erst begonnen werden, wenn eine Ersatzfläche für den Vogelschutz bereitgestellt wurde. Die von dem Vorhabenträger ausgewählte Fläche ist jedoch als Ersatzfläche völlig ungeeignet: Das jetzige Rastgebiet befindet sich im küstennahen Brackwasserbereich der Emsmündung und besteht vorwiegend aus wertvollen Salzwiesen. Nonnengänse benötigen kurzrasige Grünlandflächen, wie sie in den feuchten Vorlandflächen anzutreffen sind. Die Ersatzfläche liegt 15 km vom Eingriff entfernt an der Leda Mündung, also im Süßwasserbereich der Ems. Die für die Nonnengänse so nötigen Salzwiesenpflanzen sind dort weder vorhanden noch werden sie dort wachsen können. Eine Fläche von dieser Größe und Lage kann die Zerschneidung des großräumigen Nendorper Vorlandes nicht kompensieren.


Quelle: http://archiv.bund-niedersachsen.de/nc/presse/pressemitteilungen/detail/browse/75/artikel/gnadenfrist-fuer-nonnengaense-umweltverbaende-fordern-einstellung-der-bauarbeiten-fuer-das-emssper/