10. Januar 2001

Entsorgungsfiasko - Umweltorganisationen präsentieren Atommüllbilanz - "Endlagerung ist auch unter Rot-Grün Flickschusterei"

Von: Robert Exner, BUND-Pressereferent

Hannover, 10. Januar 2001 - ?Statt einer geordneten Atommüllendlagerung betreibt die Bundesregierung Flickschusterei und die Niedersächsische Landesregierung unterstützt sie dabei mit aller Kraft.' Diesen Vorwurf erhoben heute Renate Backhaus, die Landesvorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Sprecher der Bürgerinitiative (BI) Lüchow-Dannenberg Wolfgang Ehmke auf einer Pressekonferenz in Hannover. Zwar befasse sich jetzt endlich ein Arbeitskreis der Bundesregierung mit einem Endlagerkonzept, das politische Handeln stehe dazu jedoch im Widerspruch: 'Angeblich will die Bundesregierung nur ein Endlager für alle Sorten Atommüll. Trotzdem soll demnächst Schacht Konrad genehmigt werden, obwohl es nicht als Universalendlager geeignet ist', wundert sich die BUND-Vorsitzende. Offensichtlich sei das Entsorgungsfiasko auch am Beispiel des AKW-Stade. Dort wolle die Landesregierung erlauben, dass der Betreiber abgebrannte Brennelementen an den Plätzen zwischenlagert, die eigentlich für eine Sofortendladung des Reaktorkerns im Notfall vorgesehen seien.
Eine aktuelle Atommüllbilanz, die der hanoversche Physiker Wolfgang Neumann von der 'Gruppe Ökologie' im Auftrag des BUND und der Bürgerinitiativen an den Atomzwischenlagern in Gorleben und Ahaus erstellt hat, zeige, dass die Bundesregierung durch ihre Vereinbarung mit den Atomkraftwerksbetreibern das Endlagerproblem weiter verschärfe: 'Seit dem Beginn der Atomenergienutzung vor 30 Jahren sind in der Bundesrepublik über 180.000 Kubikmeter radioaktiver Abfälle angefallen. Diese Menge verdoppelt sich in etwa durch die vereinbarten langen Laufzeiten. Bis 2040 müssen rund 330.000 Kubikmeter Atommüll endgelagert werden', rechnet die BUND-Vorsitzende vor.
Ein besonders großes Problem sieht Backhaus darin, dass bis zum Stillstand der Reaktoren auch 1.800 Tonnen bestrahlter Brennelemente zur Wiederaufarbeitung zusätzlich entstehen. ?Damit lässt Deutschland die Berge an hochgiftigem Plutonium, an Uran und anderen gefährlichen Abfällen in La Hague und Sellafield weiter anwachsen', beklagt die BUND-Vorsitzende.

'Niedersachsen darf nicht Atomklo der Nation werden'

Der BUND befürchtet nach wie vor, dass Niedersachsen zum Atomklo der Nation wird: 'Trotz aller Ungereimtheiten wird Schacht Konrad wohl doch noch in diesem Jahr als Endlager genehmigt. Die unklaren Aussagen im so genannten Atomkonsenspapier und die Genehmigung der Pilotkonditionierungsanlage bestärken unseren Verdacht, dass außerdem der Salzstock in Gorleben als Endlager genutzt werden soll und schon heute gibt es dort das Zwischenlager', nennt Backhaus als Gründe für ihre Befürchtungen.BUND-Vorsitzende Backhaus und BI-Sprecher Ehmke forderten, jede weitere Produktion von Atommüll zu beenden: 'Schon für die vorhandenen Atommüllmengen fehlen die notwendigen Endlagerstätten, jede zusätzliche Tonne Müll verschärft die Situation. Dass demnächst wieder Castor-Transporte mit aller Staatsmacht durchgesetzt werden sollen, zeigt die Hilflosigkeit von Bundes- und Landesregierung beim Atommüll.'

Die 34seitige Broschüre ?Entsorgungsfiasko ? Eine aktuelle Atommüllbilanz? kostet DM 4,- (plus Porto und Verpackung) und ist über den BUND-Infoversand, Postfach 1106, 30011 Hannover zu erhalten oder telefonisch unter 0511/965690 und per Fax unter 0511/662536 zu bestellen.




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