30. März 2001
Tiefwasserhafen - hat fatale Folgen für die Küstenregion! - Umweltverbände kritisieren Entscheidung zum Bau des Containerhafens in Wilhelmshaven
Von: Robert Exner, BUND-Pressereferent
Bremen/Hannover, 30. März 2001 - Scharfe Kritik üben die Umweltverbände AKN, BUND und WWF an der Entscheidung der norddeutschen Landesregierungen, einen neuen deutschen Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven zu errichten. Der Bau des Tiefwasserhafens in Wilhelmshaven bedeutet eine der größten Zerstörungen im Wattenmeer an der deutschen Nordseeküste seit dreißig Jahren. Weitreichende Schäden für das Wattenmeer durch Flächenverlust, Baggerungen und Schiffsverkehr werden sich daraus ergeben. Parallel treiben die Landesregierungen auch noch eine weitere Vertiefung von Elbe und Weser voran. 'Das ist ein unverantwortlicher Umgang mit Natur und Umwelt an der Nordseeküste. Der tatsächliche Bedarf für diese gigantischen und milliardenteuren Bauprojekte ist noch immer nicht stichhaltig belegt,' so ein Sprecher der Umweltverbände.Bau und Betrieb des Tiefwasserhafens sind mit erheblichen ökologischen Folgen für den ausgewählten Standort und die angrenzenden seeseitigen und landseitigen Gebiete verbunden. Wertvolle Lebensräume seltener Tiere und Pflanzen - insbesondere ausgedehnte Schlickwatten und Flachwasserzonen - sind davon betroffen. Ebenso Anwohner, Erholungssuchende und lokale Wirtschaftszweige, allen voran Fischerei und Tourismus, befürchten die Verbände.AKN, BUND und WWF bezweifeln, dass sich der Hafenbau für die Region bei ehrlicher Bilanz aller Kosten von Bund, Ländern und Kommunen einschließlich Unterhaltungsaufwendungen für Fahrwasser und Betrieb wirtschaftlich lohnt. Vielmehr entsteht eine Containerumschlagstation mit geringem Arbeitskräftebedarf und enormer Verkehrsbelastung für die gesamte Region. LKW-Kolonnen werden den Bau neuer Straßen begründen, z.B. Küstenautobahn durch den neuen Wesertunnel. "Die Pläne zum Bau eines Binnenschiffskanals zwischen Jade und Weser werden in Kürze wieder aus der Schublade auftauchen. In zehn Jahren wird die Küstenregion ihr Gesicht beträchtlich verändert haben, ohne dass der Megaport zum Wirtschaftsboom geführt haben wird", sagt der Sprecher der Umweltorganisationen voraus.Aus Sicht von AKN, BUND und WWF besteht die Alternative in einer betriebswirtschaftlichen und logistischen Kooperation aller vorhandenen Hafenstandorte. Vor allem zwischen Bremerhaven/Bremen und Cuxhaven ist nach Meinung der Verbände eine Zusammenarbeit sofort machbar. "Doch dem stehen die handfesten Interessen der Hafenwirtschaft nach einem hochmodernen automatischen Containerterminal und der unerschütterliche Glaube der Politik an das Jobwunder an der Jade entgegen", so der Verbändesprecher.
