2. April 2001
BUND und NABU: Graugans-Abschuss in der Brutzeit ist Skandal
Von: Robert Exner, BUND-Pressereferent


Hannover, 02. April 2001 - Die Genehmigung des Landkreises Hannover zum Abschuss von Graugänsen haben heute die Landesverbände vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und vom Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) heftig kritisiert: "Die Bejagung der Graugänse in ihrer Brutzeit ist ein unglaublicher Skandal, so etwas habe ich in vielen Jahren Naturschutzarbeit noch nicht erlebt", sagte Dr. Reinhard Löhmer, stellvertretender Vorsitzender des BUND. Am Wochenende war bekannt geworden, dass in der letzten Woche zwanzig Graugänse in der Nähe von Hemmingen geschossen worden waren. Die Genehmigung dafür hatte der Landkreis einem Landwirt erteilt, der Ertragseinbußen durch die Vögel fürchtete. "In der Regel ist aber um diese Zeit schon mit den ersten geschlüpften Jungvögeln zu rechnen, wie kann man da die Elterntiere zum Abschuss frei geben", fragt sich Löhmer.Die Genehmigung widerspreche eindeutig Natur- und Artenschutzgesetzen und einer 'waidgerechten' Jagd. "Der Landkreis hat ohne jede Sachkenntnis gehandelt", urteilt Jörg-Andreas Krüger vom NABU. "Durch den Abschuss der Altvögel gehen nun wohl etliche Bruten verloren", befürchtet der NABU-Experte.BUND und NABU wundern sich, dass sich überhaupt Jäger für den Abschuss der Graugänse gefunden haben: "Gut ausgebildete Jäger hätten wissen müssen, dass die Brutzeit der Graugänse bereits begonnen hat", ärgert sich BUND-Vertreter Löhmer. "Landkreis und Jägerschaft müssen sich ernsthaft Gedanken machen und Vorsorge treffen, dass künftig so etwas nicht mehr passiert", fordert NABU-Experte Krüger und mahnt Schulungen für die Jägerschaft an.BUND und NABU fordern auch vom Landkreis eine sorgfältige Klärung des Vorfalls. Nach Auskunft der Umweltverbände hätte die Bezirksregierung den skandalösen Bescheid zwar sofort zurücknehmen lassen, für die geschossenen Graugänse kam diese Maßnahme allerdings deutlich zu spät, bedauern die Umweltorganisationen.
