BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


26. April 2001

Gesetzesnovellierung der Nationalparke Wattenmeer und Harz: Armutszeugnis für das Land Niedersachsen

Von: Robert Exner, BUND-Pressereferent

Hannover, 26. April 2001 - Die geplanten Gesetzesnovellierungen für die Nationalparke Wattenmeer und Harz stellen einen Rückschritt für die Natur dar und sind ein Armutszeugnis für das Land Niedersachsen, erklärten Vertreter der Bundesverbände von BUND, NABU und WWF heute in Hannover. Statt der Natur den Vorrang zu gewähren, lassen die Gesetzentwürfe weitere Nutzungen und Beeinträchtigungen zu. Diese mangelhafte Naturschutzpolitik wirkt in ihrer politischer Bedeutung weit über Niedersachsen hinaus, waren sich die Vertreter der drei größten Naturschutzorganisationen Deutschlands einig. BUND, NABU und WWF fordern von der Landesregierung und der SPD-Fraktion, die diese Gesetze einbringt, wichtige Naturschutzbelange bei der Novellierung aufzunehmen.
Die im Gesetzentwurf Nationalpark 'Niedersächsisches Wattenmeer' vorgesehenen Verbesserungen wie etwa die seewärtigen Erweiterungen wiegen die massiven Rückschritte bei weitem nicht auf. Das neue Gesetz soll den Bau und die Erweiterung von Golfplätzen im Nationalpark ermöglichen. "Ein Nationalpark ist kein kommunaler Freizeitpark. Der Gesetzgeber darf hier Lokalinteressen nicht nachgeben und zulassen, dass wertvolle Lebensräume wie Graudünen in denen Sumpfohreulen und Kornweihen leben durch Golfplätze zerstört werden", sagte Dr. Angelika Zahrnt, BUND Bundesvorsitzende. Bestehende FFH- und EU-Vogelschutzgebietsflächen verkleinern zu wollen, seien eine massive Aufweichung des Naturschutzes.
Statt der natürlichen Entwicklung und Dynamik Vorrang zu geben, soll nun im Nationalpark Wattenmeer noch mehr Nutzung zugelassen werden. "Mit der Idee in den Kernzonen die Nutzung auszudehnen, blamiert sich Niedersachsen in ganz Europa. Der Vorschlag widerspricht der Idee der Nationalparke und kann nur mit Kopfschütteln kommentiert werden", so Dr. Georg Schwede, Geschäftsführer des WWF. Er empfiehlt den Gesetzgebern ?Nachhilfe in Sachen Naturschutz? zu nehmen. So haben die Wattenmeerstaaten Deutschland, Dänemark und die Niederlande beschlossen, die Jagd auf Wasservögel im Wattenmeer zu verbieten. Niedersachsen hält sich jedoch nicht an diese Vereinbarung!
"Mit Nationalparken haben wir Verantwortung für unser Naturerbe im Sinne einer unbeeinflussten Nutzung übernommen. Für die Akzeptanz ist es notwendig, Menschen ein eigenes bewusstes Naturerleben zu ermöglichen. Hierzu fordern wir eine weitreichende Aufstockung der Nationalparkwacht, denn nur Laptops in Schülerhand allein sind mit ihrer virtuellen Natur nutzlos", erklärte Petra Wassmann, NABU Präsidiumsmitglied. Voraussetzung für eine naturschutzorientierte Entwicklung sei zudem, das Verwaltungshandeln bei der Nationalparkverwaltung zu bündeln. Im Nationalpark Harz sind die südlich angrenzenden wertvollen Buchenwälder bei Herzberg und Lauterberg in den Nationalpark aufzunehmen, so Wassmann weiter.
Wenn die Gesetzesentwürfe nicht erheblich nachgebessert werden, dann ist die Novellierung in der Summe eine qualitative Verschlechterung für die Nationalparke. Dies wird von BUND, NABU und WWF nicht akzeptiert und präsentiert Niedersachsen bundesweit als äußerst rückständig in Sachen Natur.


Quelle: http://archiv.bund-niedersachsen.de/nc/presse/pressemitteilungen/detail/browse/70/artikel/gesetzesnovellierung-der-nationalparke-wattenmeer-und-harz-armutszeugnis-fuer-das-land-niedersachse/