23. März 2002
Schnellfähren gefährden Nord- und Ostsee - Geschwindigkeitsrausch mit fatalen Folgen für die Natur
Von: Robert Exner, BUND-Pressereferent
Hannover, 23. März 2002 - Zu Beginn der Osterreisesaison warnt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) heute vor einer steigenden Belastung von Nord- und Ostsee durch Schnellfähren. Ein dichtes Fährverbindungsnetz mit bis zu 40 Knoten (etwa 75 Km/h) schnellen Hochgeschwindigkeitsschiffen überspanne schon jetzt die empfindlichen Naturräume zwischen den Nordseeinseln, rund um Rügen und nach Skandinavien. "Fast dreißig Prozent der Helgolandbesucher steuern die rote Insel inzwischen mit einer Schnellfähre an", nannte Dr. Marita Wudtke, Naturschutzexpertin beim BUND als Beispiel. "Der Geschwindigkeitsrausch der Urlauber hat fatale Folgen für die Meerestiere und ihre Lebensräume", so die BUND-Sprecherin weiter.
Die hohe Verkehrsdichte verbunden mit Lärm, Aufschreckung und zerstörendem Wellenschlag sei eine ernste Gefahr für Nord- und Ostsee. Deshalb rät der Umweltverband Urlaubern, die konventionellen Fährverbindungen zu nutzen. Außerdem sei eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 8 bis 10 Knoten in Küstengewässern und Flussmündungen notwendig.
Für viele Meeresvogelarten und Meeressäuger ist nicht nur der zunehmende Verkehr ein lebensbedrohliches Problem, sondern auch die erhöhte Geschwindigkeit der Schiffe. Einige Vögel, die auf den Meeren lebten, wie Eiderenten und Gänse hätten große Fluchtdistanzen vor allem in der Mauser. "Die rasenden Schnellfähren hinterlassen deshalb zeitweise eine vogelfreie "Schneise" von bis zu vierzig Quadratkilometern. Robben, die die Geschwindigkeit falsch einschätzen, kollidieren mit den Schiffen", erläuterte Wudtke. Der Lärm der Schiffe störe die Verständigung der wenigen Wale, die es noch in Nord- und Ostsee gäbe oder führe durch hohe Frequenzen sogar zur Hörminderung bei den Meeressäuger.
Sandbänke und andere Lebensräume in flachen Küstengewässern drohe Gefahr durch die langen Wellen, die Schnellfähren erzeugen. "Auch wenn der Wellenschlag zuerst nur wenige Dezimeter hoch ist, im Flachwasserbereich und Flussmündungen steilen sich die Wellen bis zu ein Meter Höhe auf", weiß die BUND-Expertin. "Dadurch könnten nicht nur Naturräume auf großer Fläche Schaden nehmen, sondern auch die Inseln und Halligen", so Wudtke weiter.
Nachteile durch die rasenden Fähren seien letztlich auch für die traditionellen Erwerbszweige an Nord- und Ostsee nicht auszuschließen. "Schon heute gibt es Beschwerden von Fischern und Freizeitseglern über die Schnellfähren. Gekenterte Seeleute haben geringe Chancen, sich oder ihre Boote in Sicherheit zu bringen", warnte Wudtke.